Warum man ständig völlig gedankenlos Emails abruft und anschaut

Wie kann es eigentlich sein, dass ein normal kluges Gehirn völlig fanatisch nach Emails schauen will, ständig nach Updates auf den Social Media Plattformen sucht, oder Newsseiten mehrfach täglich besucht? Dazu kommt dann das Smartphone-Geglotze.

Und zwar in einer völlig irrationalen Größenordnung.

Das hat was mit dem Pavlov Hunde Ding zu tun. Wo der Hund angerannt kommt, wenn die Glocke klingelt. Weil er weiß, dass es jetzt was zu futtern gibt. Das fängt damit an, dass die Glocke geklingelt wird, wenn der Hund am fressen ist. Und dann kommt der Hund angerannt wenn die Glocke klingelt.

Sobald die Glocke klingelt, wird Dopamin freigesetzt. Das Gehirn freut sich und das Verhalten festigt sich.

Und das gleiche passiert wenn man die Emails zwischendrin abruft, oder das Signal ertönt wenn Emails automatisch abgerufen wurde. Analog zur Glocke die klingelt: Jetzt gibt’s was zu futtern…

  • So eine kleine „Mini-Freude“ für zwischendrin. Dopamin für Email-Junkies und Internetforen-Süchtige.
  • Das denkende Hirn hat in dem Moment nicht viel zu sagen. Jedenfalls bis man sich darüber bewusst wird, was da eigentlich abgeht.

Derzeit habe ich 6617 ungelesene Emails. Keine davon Spam.

Es ist sehr befreiend.

  • Ich schau mir den Absender und die Betreffzeile an. Was diese Hürde nicht schafft, wird nicht gelesen. Und alle paar Wochen bis Monate wird dann einfach alles nochmals überflogen und als gelesen markiert.
  • Mit der Post mache ich das ähnlich. Was nicht gleich wichtig aussieht, bleibt liegen. Und wird dann am Ende der Woche oder später gelesen. Es funktioniert einwandfrei.

Problematisch wird es, wenn das Gehirn dieses Unterbrechungsverhalten noch einen Schritt weiter nimmt. Und zwar wenn es Ordnung haben will, und verlangt dass jede Email sofort als „gelesen“ markiert wird. Weil es das Gefühl gibt etwas geschafft zu haben. Also noch ein paar Dopamin-Moleküle fürs Hirn. Dann hat man ein ernsthaftes Problem. Weil man dann dass Wesentliche nicht mehr vom Unwesentlichen trennt. Pareto würde abkotzen.

Das Problem ist, dass diese kleinen, vom Gehirn automatisierten, Unterbrechungen die Konzentration und Effizienz völlig kaputt machen. Aber jetzt wo Sie wissen was da eigentlich abgeht, können Sie ganz bewusst das Verhalten ändern.

Zum Beispiel indem das Emailprogramm nicht nebenbei geöffnet ist.

Markus Trauernicht