Was braucht es wirklich um erfolgreich zu sein?

(Oder: Wenn man Pissoirs von den Wänden reißen muss…)

Jetzt, wo die die ersten Neujahrsvorsätze bei Vielen schon gebrochen sind, die Pfunde nicht purzeln, und 1/24 des Jahres schon vorbei ist, stellt sich nochmals die Frage was es wirklich braucht um erfolgreich zu sein?

  • Als ich jetzt über Weihnachten mit meiner Familie 5 Wochen in Südafrika war, um Geschwister, Schwiegerfamilie und Eltern zu besuchen, erzählte mir ein Unternehmer folgende Geschichte.

Er hatte ein Team von drei Leuten von Südafrika zu einer Mine in Zimbabwe geschickt, um dort ein paar technische Geräte zu installieren. Als die drei Männer jetzt auf dem Gelände der Mine waren, bemerkte sein Vorarbeiter plötzlich, dass eines der Gebäude am brennen war. Jetzt wollten sie natürlich gleich das Gebäude löschen, stellten aber schnell fest, dass die Feuerlöschanlange noch nicht fertig installiert war. Die Feuerwehrschläuche waren zwar angeschlossen, aber die Wasserleitungen dahinter noch nicht.

Das Feuer brannte so heftig, dass die Gefahr bestand, dass das Feuer auf die weiteren Gebäude über springen würde. Was war passiert? Ein paar Einheimische, die auf der Mine arbeiteten, hatten einfach ein Lagerfeuer in dem Gebäude angezündet, um dort kochen zu können. Das ist gar nicht mal so unüblich in Afrika, vor allem wenn es kalt ist.

Was tun?

Der Vorarbeiter dieses Unternehmers fragte sich natürlich woher man jetzt Wasser bekommen könnte, um die unbeschädigten Gebäude zu kühlen und komplett einzunässen.

Inzwischen waren andere Subunternehmer, die auch auf dem neuen Minengelände tätig waren, herbei geeilt. Diese stürzten sich auf die Feuerlöscher, um das Feuer zu bekämpfen. Schlugen in bestem Wissen Scheiben ein, und entleerten einen Feuerlöscher nach dem anderen, bis der 22ste Feuerlöcher leer war. Was diese nicht realisierten, ist dass das Feuer ständig neuen Sauerstoff bekam, sobald die Scheiben eingeschlagen wurden.

  • Das war alles nutzlos.

Das Feuer drohte auf die anderen Gebäude über zu springen. Bzw. war die Hitze so enorm, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch die anderen Gebäude brennen würden. Inzwischen war nach einer halben Stunde die eigene Feuerwehr der Mine eingetroffen. Doch die merkten dann auch schnell, dass der Löschtank im eigenen Fahrzeug leer war. Also fuhren die wieder weg um Wasser zu tanken.

Kurzweg packten der Vorarbeiter und seine zwei Mitarbeiter Vorschlaghämmer, und fingen an in den Badezimmern der angrenzenden Gebäude die Pissoirs von den Wänden zu schlagen, bis das Wasser frei aus den Leitungen aus der Wand hervor schoss.

Dann schnitten sie die Feuerwehrschläuche von den fest installierten Schlauchrollen an den Wänden ab, und stülpten die Enden über die Leitungen, aus denen das Wasser aus der Wand schoss.

Jetzt wurden den anderen Leuten, die nach und nach eintrafen, die Schläuche in die Hände gedrückt, mit dem Auftrag die unbeschädigten Gebäude zu kühlen und möglichst nass zu machen. Während die drei Männer weitere abgeschnittene Feuerwehrschläuche an allen möglichen abgeschlagenen Pissoirs montierten.

Letztendlich konnten die weiteren Gebäude alle gerettet werden, während das erste Gebäude komplett nieder brannte.

  • Jetzt ist es natürlich so, dass dieser Vorarbeiter und seine zwei Mitarbeiter genau so die Hände in die Hosentaschen hätten stecken können. Oder einfach die Pissoirs nicht von den Wänden hätten schlagen müssen. Auf die Idee muss man erst mal kommen! Diese Arbeit hatte nicht zu ihrer „Aufgabenbeschreibung“ gehört. Und niemand hätte ihnen einen Vorwurf machen können.  „Nicht in meinen Zuständigkeitsbereich!“

Machen wir uns nichts vor. Was ich hier beschreibe sind genau die Umstände unter denen fast alle, die allermeisten Unternehmer im Internet anfangen.

Schwierige Umstände sind normal, nicht mehr nicht weniger.

Die allermeisten erfolgreichen Unternehmer fingen unter schlechten Voraussetzungen an. Oft mit Kindergeschrei im Hintergrund, langen Nachtstunden, unzureichenden Finanzen, Kritik und Verständnislosigkeit aus dem Umfeld, unzureichenden technischen Mitteln, ungerechtfertigten Reklamationen von Kunden, Druck von der Bank, bürokratische und gesetzliche Hürden, Falschlieferungen von Lieferanten, Steuervorauszahlungen, Kunden die spät oder gar nicht zahlen, Projekte die einfach nicht funktionieren wollen, Geschäftspartnern die Schulden hinterlassen und einen betrügen, Marketing welches klemmt, zu wenig Schlaf, scheinbar tolle Marketingideen die viel kosten und keine Kunden bringen, Frust usw., etc.

  • Und niemand, oder nur wenige im Umfeld verstehen was man da macht. Das ist Wüste, nix mit tropischen Palmen. Da muss jeder hindurch.

Man wird ständig mit der Frage konfrontiert, was wirklich Wichtig ist? Wo sind die kleinen Hebelwirkungen, ohne die es heute nicht geht?

1. Was ist in Ihrem Fall wirklich nötig für den nächsten Durchbruch? Was ist in Ihrem Fall das, was dem gleich kommt: Pissiors von den Wänden schlagen, Feuerwehrschläuche drauf tüdeln, mit Draht die Schläuche an den Leitungen sichern und in Aktion gehen?

2. Aber genau so stellt sich die Frage welche brennenden Gebäude in Ihrem Geschäft hinter sich gelassen werden müssen, eben weil da nichts mehr zu retten ist.

Ein unangebrachter Perfektionismus ist oft das Einzige was im Weg steht. Weil wertvolle Zeit verloren geht. Man muss das nehmen was innerhalb der eigenen Möglichkeiten vorhanden ist, und daraus das Beste machen. Welche Projekte haben Ihre Zeit verdient, und welche nicht?

In Kapstadt gibt es viele allein stehende Bäume. Vor allem die aus Australien stammenden Eukalyptusbäume stehen oft alleine und trotzen jedem Sturm. Jeder von ihnen hat schon viele Stürme hinter sich. „South Easter“ nennt man diese Orkane in Kapstadt. Die Seefahrer der vergangenen Jahrhunderte haben gaben dem Kap der guten Hoffnung seinen Namen nicht ohne Grund. Diese Bäume sind stark aufgrund der Stürme. Tiefer verwurzelt aufgrund der Stürme. Komplette Waldschneisen die von Stürmen umgerissen werden sind dort unbekannt. Viel eher werden Lastwagen umgeweht.

Auch dieses Jahr wird viele Probleme bringen. Das ist normal. Und es ist ein Schutz für jene die sich durch die Probleme hindurch kämpfen. Eben weil es stärker macht und tiefer verwurzelt.

Ihnen ein erfolgreiches neues Jahr!

Markus Trauernicht