Negative Keywords: Clevere Vorgehensweise

Welche Nachteile bleiben bestehen, wenn die negativen Keywords gleich der Anzeigengruppe hinzugefügt werden?

  • Systemisch hat man ein Problem, wenn man die negativen Keywords nur aus den vorhandenen Anzeigengruppen zieht, und dann in der Anzeigengruppe als negatives Keyword hinzufügt.

Denn dann gilt dieses negative Keyword nur für diese Anzeigengruppe innerhalb der Kampagne. Hat man also in einer Kampagne z.B. 10 Anzeigengruppen, und fügt ein negatives Keyword aus den tatsächlichen Suchbegriffen für eine Anzeigengruppe ein, hat man systemisch NICHT wirklich das Problem gelöst. Denn die negativen Keywords die man einfügen muss, entstehen bei dieser Vorgehensweise aus tatsächlich gesuchten Begriffen, für die man bezahlt hat.
Fügt man z.B. folgende negative Keywords in eine Anzeigengruppe einer Kampagne ein, hat man systemisch ein Problem. Denn negative Keywords beinhalten nicht die möglichen Varianten und Schreibfehler dieser Keywords.

  • Used
  • second hand
  • secondhand
  • gebraucht
  • gebrauchte
  • dritte hand
  • zweite hand
  • b-ware
  • ausgeleiert
  • gebrauchten
  • gebraucher
  • übernehmen
  • zweitehand
  • bware
  • verschlissen
  • wertlos
  • verbraucht
  • verfallen
  • zweithand
  • abgewetzt
  • baufällig
  • ehemalig
  • drittehand
  • alt verbraucht

Was hier nicht in negativen Keywords beinhaltet ist, sind z.B. Varianten wie:

„alte“, „verbrauchte“, dritterhand“ und die vielen Varianten und Schreibfehler die es gibt. Wie z.B. „atle“, „vrebrauchte“, „tritterhand“, etc.

  • Für eine Agentur ist es nicht schlecht, einfach bei den Anzeigengruppen selber die negativen Keywords aus den tatsächlich gesuchten Begriffen einzufügen, einfach weil es aussieht, wie wenn der Account extrem gepflegt wird. Prüft ein Kunde dies, sieht es nach extremer Aktivität im Protokoll aus.

Nehmen wir mal an, eine Kampagne hat 10 Anzeigengruppen. Jetzt fällt das negative Keyword „gebrauchter“ auf, welches aus den tatsächlich gesuchten Suchanfragen einer Anzeigengruppe stammt. (Wenn man also schaut, welche Suchanfragen die Besucher tatsächlich gebraucht haben.) Jetzt fügt man dieses Wort „gebrauchter“ als ein negatives Keyword in der Anzeigengruppe ein, wo es als tatsächlicher irrelevante Suchbegriff vorkam.

Was aber mit den anderen 9 Anzeigengruppen in dieser Kampagne, bei dem dieses Keyword auch eingefügt werden müsste?

Man kann es hier auf Kampagnenebene nutzen, hat dann aber kaum noch eine sinnvolle und praktisch brauchbare Übersicht, welche Keywords auf Kampagnenebene und welche auf Anzeigenebene genutzt werden.
Einfach auf Kampagnenebene mal einzufügen geht auch nicht, da evtl. ein wichtiges Keyword so blockiert wird.

Und was mit anderen Kampagnen im Account, die auch dringen dieses negative Keyword benötigen?

Was ich hier zeigen will, ist dass es nicht sinnvoll ist, die negativen Keywords NUR auf Kampagnenebene und Anzeigengruppenebene zu nutzen, da man sonst noch viel zu viel irrelevanten Traffic bekommt. Hier ist es sehr sinnvoll die negativen Listen in der Bibliothek anzulegen und zu nutzen. Und zwar weil, systemisch gesehen, viel mehr irrelevanter Traffic abgefangen wird, als wenn man nur die negativen Keywords aus den tatsächlich gesuchten Suchbegriffen nimmt und in der Anzeigengruppenebene einfügt.

Zweifel?

Jetzt haben Sie eine Suche mit ihrem Produktnamen und den Ort „Hamburg“. Sie wohnen aber in München. Fügen Sie jetzt „Hamburg“ als negatives Keyword zur Anzeigengruppe hinzu, dann sind gut 12000 andere Orte noch nicht abgedeckt. Und in allen anderen Kampagnen und Anzeigengruppen im ganzen Account ist „Hamburg“ noch nicht mit drin als negatives Keyword. Und selbst wenn sie „Hamburg“ als negatives Keyword auf Kampagnenebene nutzen – die anderen Kampagnen im Account sind noch nicht abgedeckt.

Negative Keywords NUR auf Kampagnenebene und Anzeigengruppenebene aufgrund von tatsächlich gesuchten Suchbegriffen auszuschließen, ohne eine Bibliothek anzulegen und die Listen einzelnen Kampagnen zuzuordnen, ist systemisch kein wirklich problemlösender Weg.

Warum?

Weil Sie für die irrelevanten Begriffe Geld zahlen. Sie erst auszuschließen, nachdem man dafür bezahlt hat, packt das Problem nicht an der richtigen Stelle an. Nutzt man zudem hauptsächlich „weitgehend passend“ und „passend“ Keywordoptionen, hat man gewissermaßen auch die Garantie niemals den irrelevanten Traffic in den Griff zu bekommen. Denn pro Anzeigengruppe gibt es rein sprachlich gesehen viele Hundert und teils Tausend Keywordvarianten, die für Google als relevante Keywords in Frage kommen.

Theoretisch müssten Sie also für diese hundert und teils tausenden Keywordvarianten zahlen, um herauszufinden, welche möglich sind. Es ist sogar die Norm in wirklich vielen Accounts, dass buchstäblich Tausende irrelevante Keywords gekauft wurden. Sie dann einfach nur nach und nach als negative Keywords in einer Anzeigengruppe einzufügen, ist praktisch sowas wie aktive Selbstsabotage.

Zudem ist es extrem unpraktisch. Es ergibt sich eine gewaltige Mausklickerei.
Hat man also 10 Anzeigengruppen in einer Kampagne, und will ein negatives Keyword jetzt 6 dieser Anzeigengruppen zuordnen, hat man ohne die Bibliothek folgendes Problem:

  • 1 Klick auf Wort, „Strg +C“ um das Keyword zu kopieren.
  • 1 Mausklick links in die Leiste
  • 1 Mausklick auf die Anzeigengruppe, erst hoch und runter scrollen um diese zu finden.
  • 1 Mausklick auf Keyword Tab, runterscrollen auf „negative Keywords hinzufügen“
  • 1 Mausklick ins Feld für negative Keywords.
  • Negatives Keyword mit „Strg + V“ einfügen
  • 1 Mausklick zum speichern.

Vielleicht habe ich jetzt einen Mausklick vergessen, bisher sind es 6 Klicks. Will man das jetzt für die sechs weiteren Anzeigengruppen wiederholen liegt man bei 6*6 Klicks also 36 weiteren Mausklicks.
Jetzt finden wir diese Woche noch 35 weitere negative Keywords in der Kampagne (mit den 10 Anzeigengruppen) und sind schnell bei Unmengen von Mausklicks.

  • 6 Klicks mal 35 Keywords: 210 Klicks.

Jetzt stehen noch weitere 15 Kampagnen an, die mit negativen Keywords versorgt werden wollen…

  • 210 Klicks *15 = 3150 Klicks.

Selbst wenn Sie schnell arbeiten – das ist wirklich nicht praxisgerecht.

Ok, jetzt muss der AdWords Editor her, um hier zu helfen.

Jetzt haben wir zusätzlich noch das Problem, dass wir nicht genau wissen ob ein negatives Keyword schon eingefügt wurde oder nicht. Müssen evtl. noch Mal nachschauen, oder fügen es sicherheitshalber einfach nochmal ein. Wir haben auch nicht das Problem mit der Übersichtlichkeit gelöst. Zudem sind die tatsächlich gesuchten Keywords nicht im AdWords Editor zu sehen. Ist auch so mit dem AdWords eine ziemliche Mausklickerei…
Rentabel ist das sicher nicht, schon allein aufgrund der Arbeitszeit. Und wer hat denn da noch den echten Überblick?

Sie sehen, negative Keywords ohne die Bibliothek, und Sie haben systemisch kaum eine Chance das Problem fester anzupacken! Natürlich haben negative Keywords auf Anzeigengruppenebene Ihren Platz. Und ist auch wichtig! Aber als alleinige Vorgehensweise für negative Keywords sicherlich nicht!

Überlegenswert:

Schauen Sie sich mal an, welche irrelevanten negativen Keywords in Ihrem Account in den letzten 12 Monaten zusammen gekommen sind. Und dann schauen Sie mal was sie das bisher gekostet hat. Wenn Sie systemisch hier nichts ändern, dann sehen diese Anfragen in den nächsten 12 Monaten ähnlich aus. Ein kleines bisschen lässt sich das eindämmen, indem gewissenhaft die schlechten tatsächlich genutzten Keywords aus den einzelnen Anzeigengruppen als negative Keywords in der Anzeigengruppe hinzugefügt werden. Aber das Problem ist so nicht wirklich gelöst.

Markus Trauernicht