Ich habe meinen Twitter-Stecker gezogen

August 2010

Hier mein Brain-Dump dazu:

Entweder man investiert, falls sinnvoll, die notwendige Zeit, oder man lässt es. Aufwand und Nutzen müssen halt im richtigen Verhältnis stehen.

Wie oft im Leben ist dieser Rat sinnvoll: „Love it, change it or leave it!“

  • Ich habe viel zu lange mit dieser Entscheidung gewartet.

Die Anzahl der Follower ist eine implizite Botschaft, die aktiv für einen oder gegen einen arbeitet. Wahrscheinlich ist es die wichtigste Botschaft überhaupt dieses Mediums. Eine Botschaft die schnell das Gesamtbild verzerrt.

Parallel die Frage, warum man auch keinen Webseitenzähler mehr nutzt. Geht in die gleiche Richtung.

Dazu das Prinzip des sozialen Beweises von Cialdini: „Was andere gut finden muss gut sein, was andere schlecht finden muss schlecht sein!“

  • Auch wenn das oft wenig mit der Realität zu tun hat.

Sorgen Sie dafür, dass dieses Prinzip des sozialen Beweises nicht gegen Sie, sondern für Sie arbeitet.

Weiterhin:

  • Was sagt es über Sie aus, wenn sie mehr Leuten folgen als Follower haben?
  • Was sagt eine geringe Anzahl an Followern implizit über Ihr Geschäft aus?
  • Ist das eine Marketingbotschaft die Sie so in die Welt stellen wollen?
  • Was hat das mit der Realität ihres Geschäftes zu tun?
  • Gibt es da nicht Effizienteres zu tun?

Und wer einem seiner 5693 Freunde eine Botschaft schickt, macht das eh via Email, SMS etc, weil diese sonst innerhalb Minuten oder schneller vom Bildschirm verschwindet und nicht ankommt.

Keine Frage, mit dem richtigen Aufwand, dem richtigen Können, im richtigen Geschäft ist Twitter ein überdurchschnittliches und einzigartiges Hammer-Erfolgs-Tool.

Einfach sich selber kritisch fragen, ob es für Sie sinnvoll ist die Trends und Techniken im Social Marketing zu nutzen?

Ein Tweet ist nur solange interessant bis er vom Bildschirm verschwindet. Ein zeitloser Blogpost kann auch in ein paar Jahren einen Leser noch fesseln. Die zeitliche Hebelwirkung eines Blogposts ist eine ganz andere.

Ich stelle auch immer wieder fest, dass besonders erfolgreiche Unternehmen (mit physischen Produkten) oft eine verschwindend geringe Anzahl an Followern haben. Klar, rein zahlenmäßig kann ich das nicht belegen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die einfach mal probieren wollten, doch dann nichts so recht damit anfangen können. Und einfach effizientere Methoden zur Vermarktung nutzen.

Auch stelle ich noch etwas ganz anderes Interessantes fest, seitdem mein Twitter-Account nicht mehr besteht: Die Zahl der Webseitenbesucher via Twitter läßt nicht nach, sondern nimmt deutlich zu. Möglicherweise liegt es daran, dass ein Tweeter jetzt eine Nachricht tweeten kann, die es so noch nicht von mir selber gibt. Und noch keiner in seinem Netzwerk getweetet hat. Keine Ahnung.

  • Suchen Sie doch mal eine offiziellen Social Media Fußabdruck von Apple. Wenn die ohne auskommen können und so erfolgreich sind – könnte es mit der Arbeitsweise zu tun haben? Weil die mit einem Produkt-Launch einen Run erzeugen, gegen den eine Social Media Marketing keine Chance hat?
  • Oder wieviele Vorstände oder Mitglieder der Geschäftsführung von Dax-Konzernen haben einen aktiven Twitter-Account?
  • Twitter ist in erster Linie ein Kommunikationstool zwischen Freunden. Bist du als Dienstleister Freund mit deinen Kunden, dann hast du gute Karten. Sonst eher nicht…

Wie immer wenn es schwierig ist, gilt es das Pareto-Prinzip zu fragen. Ist diese Tätigkeit auf der 20% Seite die 80% der Ergebnisse bringt?

Milchmädchenrechnung:

  • Jetzt nehmen Sie mal Ihre Arbeitszeit. Was kostet Ihr realer Stundensatz? Ihr persönlicher Stundensatz? Was kostet ein Tweet?
  • Nehmen wir mal das Pareto-Prinzip:  Von 10 Arbeitsstunden am Tag sind 2 hocheffizient, die anderen 8 Stunden bringen nur 20% der Ergebnisse.

Das sind bei 5 Arbeitstagen genau 10 effiziente Stunden in der Woche, 40 im Monat, und 440 effiziente Stunden im Jahr bei 11 Monaten Arbeit.

Zielverdienst = 150.000 Euro

150.000 Euro / 440 effiziente Arbeitsstunden im Jahr = 340 Euro pro Stunde

Sie brauchen z.B. pro halbwegs sinnvollen Tweet, der auch mit Ihrer Marketingbotschaft übereinstimmt, sagen wir mal 3 Minuten an Vorbereitungszeit.

340 Euro pro Stunde / 60 Minuten * 3 Minuten = 17 Euro pro Tweet

Ist ein Tweet jetzt noch sein Geld wert?

  • Vor allem im Bezug auf die Kennzahl „Werbekosten pro Neukunde“?
  • Allerdings: Wenn einem das Pareto-Prinzip egal ist, dann kostet ein Tweet bei gleichen Zielverdienst nur noch 3,40 Euro.

Zum Vergleich, was man da mit seiner Zeit macht: Nehmen wir 3,40 Euro mal Zwei oder Drei, dann sind wir schon bei einer Kinokarte. Nur verschwindet dieser Film nicht nach wenigen Minuten unten an der Leinwand, sondern bleibt über die vollen 95 Minuten stabil auf der Leinwand…

Machen wir uns nichts vor: Die Masse sucht krampfhaft nach Wegen dieses Tool zu monetarisieren. Denn wer weiß… Vielleicht gibt es ja die Wundertaktik mit der man was draus machen könnte…

Twittern oder nicht? Das ist die Frage…

Was zum Nachdenken: Dieser Post wird noch ein paar Jahre zu sehen sein.

Die Blogposts Ihrer Konkurrenz auch…

Markus Trauernicht