Ist es sinnvoll die Trends und Techniken im Social Marketing zu nutzen?

Januar 2010

Social Media: Falle oder Sicherheits-Netz?

  • Sind Blogs tot?
  • Ist das Ebook tot?
  • Sind lange Blogposts tot?
  • Was kommt nach Social Media?
  • Ist es sinnvoll für Unternehmen voll auf Social Media zu setzen?

Keine Frage, es gibt wirklich viele sehr interessante und sinnvolle Möglichkeiten Social Media zur Vermarktung zu nutzen.

  • Wie zum Beispiel Facebook, Twitter, Friendfeed, Posterous usw, usw. etc.

In erster Linie geht es bei diesen Dienstleistungen um die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Freunden und Bekannten. Das darf man nicht vergessen. Ein Marketing ist somit erst mal eine Zweckentfremdung.

Was ist also dran für das einzelne Unternehmen?

Fakt ist: In der Praxis hat man kaum Zeit alles zu machen was möglich ist. Vor allem will man nicht alles machen, da es gegen die unternehmerische Vernunft geht sich zu verzetteln.

  • Was wenn Ihre Lieblingsplattform morgen schließt? Finanzierungsprobleme, rechtliche Probleme, der Trend bewegt sich woanders hin etc.
  • Wem gehört dann der Content?
  • Wer hat die Rechte über den Content?
  • Nimmt Ihr Geschäft dann einen Schaden?

Ist ein Blog oder eine normale Webseite die bessere Variante, um weniger von externen Faktoren abhängig zu sein?

Blogs und Webseiten fühlen sich halt oft doch recht alt und antik an – jedenfalls im Vergleich zu dem was die Social Media Plattformen so anbieten.

  • Keine Frage, für den privaten Gebrauch wird man mehr Spaß an den Trend-Werkzeugen haben.

Aber in der eigenen Vermarktung?

Problem: Aufmerksamkeit ist kaum skalierbar, weil es unheimlich schwer ist im Marketing die volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Interessent wird einer Sache oft nur ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit schenken.

Multitasking, bei der Internetaktivität der einzelnen Person, ist schon fast ein Garant dafür, dass man nicht die volle Aufmerksamkeit eines Interessenten bekommt. Daraus resultiert natürlich ein ganz bestimmter Stil in der Kommunikation. Die Social Media Plattformen bieten die Möglichkeit, trotz der teilweisen Aufmerksamkeit die man einer Sache schenkt, die wichtigste Information zu erfahren oder mit zu teilen. Microblogging (z.B. Twitter) ist nun mal eine harte Konkurrenz zu einem Blog. Die Unterhaltung ist einfach aktiver.

Aber wenn man schon mal in die Zukunft schaut, kann man auch mal fragen was nach dem Social Media kommt. Oder was Web 3.0, 4.0 usw. ist? Beziehungsweise was die nächste Stufe ist? Wird da etwa nur mit Begriffen herum geschmissen, um auch ja derjenige zu sein der den Begriff prägt?

Meiner Meinung wird es immer mehr in Richtung der intensiveren und noch mehr vernetzten Kommunikation gehen, weil es somit einfacher wird sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das liegt in der Natur der Dinge, wenn es um die private Vernetzung geht.

Aber bitte nicht Privat mit Geschäftlich verwechseln.

  • Der Begriff Social Media schafft einiges an Unbehagen bei Geschäftsleuten. Schnell wird es mit inhaltslosem Geplapper gleich gesetzt. Natürlich nicht ohne Grund.
  • Vielleicht nimmt es dem ein oder anderen die Angst wenn man an eine vernetzte Kommunikation denkt, anstatt an Social Media.


Doch man darf sich auch mal fragen ob das überhaupt wichtig ist?

Braucht man als Unternehmen diese „vernetzte externe Kommunikation“ mit dem potentiellen Markt?

Ein Verkäufer verkauft in einem Gespräch nicht indem er einfach mal plappert. Er muss seine Fakten kennen und wissen was den Markt beschäftigt. Er sorgt auch dafür, dass ein Gespräch möglichst ungestört und ununterbrochen verläuft.

Nur weil es ein Tool gibt, muss man es noch lange nicht brauchen. Gerade Marketer verlieben sich unheimlich schnell in diese neuen Tools, und predigen gleich der ganzen Welt dass man diese nutzen soll. Doch da steht gerne das Tool, und nicht die der gesunde Unternehmenserhalt, die notwendigen Gewinne und die sinnvolle langfristige Ausrichtung im Vordergrund.

Und bitte nicht vergessen – Marketing für Marketing ist etwas ganz anderes als die Vermarktung für ein Produkt oder andere Dienstleistungen. Also bitte zwei Mal abwägen wie sinnvoll welche Info für das eigene Geschäft ist.

Die vielen verschiedenen Plattformen bedeuten, dass die Kommunikation nicht so reibungslos abläuft, wie es mit dem Marketing im Mittelalter war. Im Klartext heißt dies, dass es optimalerweise keine API-Limits gäbe. Eher so wie ein „Social Network / vernetzte Kommunikation Protocol“. Doch Wunschdenken und Realität sind nun mal zwei verschiedene Welten. Das hängt weitgehend von den Big Playern ab.

Nur – was will man als Unternehmen denn alles so kommunizieren? Man will ja nicht plappern, sondern geschäftlich tätig sein.

Ganz schnell das auf der Strecke was wirklich wichtig ist: Die eigene Unternehmen zu sichern und Gewinne zu machen.

Vielleicht kann man die ganze Social Media Thematik für Unternehmen mit folgendem Problem vergleichen. Besonders Schauspieler und Prominente leiden darunter.

Die Imagekrankheit wird zur Obsession.

Irgendwann wird das private Dasein mit dem öffentlichen Image verwechselt und durcheinander gebracht. Und dabei vergessen diese Schauspieler und Promis, dass man im Leben verschiedene Rollen einnimmt. Privat gehört es auch dazu, den Müll raus zu bringen, dem Kind die Kacke vom Hintern zu kratzen, oder auch am Herd was zu kochen.

  • So normale Aktivitäten – ein absolutes Unding für jemand der in sein öffentliches Image verliebt ist.

Das Wesentliche – die eigene Lebensqualität – bleibt auf der Strecke, weil man meint irgendwelche unausgesprochenen Erwartungen von irgendwelchen Fans erfüllen zu müssen. Und das wird mit ins private Dasein übernommen. Man verwechselt die private Identität mit der öffentlichen Identität – und das ist da wo dann diese Schauspieler und Prominenten, die ständig in den Medien sind, anfangen zu spinnen.

Das Problem: Man kann auf Dauer nicht das spielen was man nicht ist.

Und genau das gleiche passiert, wenn Unternehmen sich auf Social Media stürzen, und meinen etwas repräsentieren (was auch immer man darunter versteht) zu müssen. Aber dafür nicht das richtige Feingespür haben. Oder einfach tollpatschig sind, die falschen Mitarbeiter einsetzen, oder schlichtweg fehl am Platz sind.

  • Sich erst mal auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Das ist wichtiger.

Und dann zu schauen, was man aus der riesigen „Social Media / vernetzte Kommunikations-Torte“ an sinnvollen Möglichkeiten nutzt. Und wenn man Torte halt nicht mag, dann lässt man die Finger davon.

  • Schon allein die Tatsache, dass Social Media Plattformen den Mitarbeitern in vielen Unternehmen untersagt sind, sagt doch irgendwie schon aus, dass es hier um die Ablenkung vom Wesentlichen geht.

Auf keinen sollte man zulassen, dass die eigene geschäftliche Qualitäts-Basis durch Social Media erodiert wird. Social Media ist für ein Unternehmen ein Tool, und damit auch schnell die Ausrede zu noch einer interessanteren Spielerei.

Social Media ist ein Werkzeug, welches dem Unternehmen Untertan sein muss. Und nicht jedes Werkzeug ist für das eigene Unternehmen geeignet.

Das Internet ist jung. Der Lärm ist laut. Die Tools sollen helfen den Lärm auszufiltern, und das wichtige Signal zu finden. Die Nadel im Heuhaufen sofort erkennen können.

Nur: Viele Social Media Tools machen genau das Gegenteil und sind eher ein Heuhaufen als die gesuchte Nadel im Heuhaufen.

Social Media ist für das Marketing oft nur der Heuhaufen, und nicht die gesuchte Nadel im Heuhaufen.

  • Ist da eine normale Webseite / Blog nicht sinnvoller? Dazu ein Direktmarketing, automatisiertes Marketing und Informationsmarketing auf zu bauen, um auch nachhaltig mit einer Hebelwirkung zu arbeiten.
  • Social Media ist eine Möglichkeit der eigenen Community zu zeigen was wirklich wichtig ist. Vorausgesetzt, dass sich die Community auch dort aufhält. Aber warum eine Community von einer solchen Webseite in Richtung Social Media locken – es verwässert ja nur die eigene Botschaft.

An einer Unterhaltung im Social Media teilzunehmen ist wichtig, aber ersetzt das Fundament (z.B. die eigene Webseite) nicht. Vielleicht auch hilfreich: Twittern oder nicht?

Die eigenen Verkaufsunterlagen, Webseite etc. sind wie ein Fischerboot. Social Media hat für ein Geschäft die Aufgabe der Fischernetze.

  • Die Netze sind ein Werkzeug, können das Fischerboot aber nie ersetzen.

Doch manche Fische fängt man nicht mit Netzen. Da braucht es individuelle Köder = Direktmarketing, Werbetexte, Autoresponder, Infomarketing etc. Da sind die Netze die auf eine breite Masse abzielen fehl am Platz.

Bloggen als coole Mainstream-Bewegung ist wenig sinnvoll für fast alle Unternehmen. Weil in der Regel die Konsequenz fehlt es auch durchzuziehen. Dazu kommt, das alles was Mainstream ist, ist schnell veraltet, weil es immer wieder noch etwas cooleres gibt. Die Frage ist halt, ob es dem eigenen Geschäft zuträglich ist, wenn man versucht jeden Trend mit zu machen?

Das Bloggen / eine Webseite ist gewissermaßen zeitlos. Das Bloggen ist ein zentraler Kern im Informationsmarketing. Vor allem viel kontrollierbarer und planbarer.

Social Media ist für viele Unternehmen so ein bisschen wie die Alu-Felgen am Auto. Fast jeder will sie haben, aber keiner kann so wirklich sagen wofür sie gut sind. Nur dass man ganz genau weiß, wenn man beim einparken an die Bordkante geschrammt ist. Die theoretischen Vorteile sind beim Social Media wie bei den Alu-Felgen oft rein theoretischer Natur.

Was will man? Alltagstauglichkeit oder eine coole Optik von der man sich oft nichts kaufen kann?

Jeder Einzelfall muss halt selber abgewogen werden. Passen Ihre Traffic Methoden zu Ihrem Geschäft?

Hoffe es hilft.

Markus Trauernicht