Twittern oder nicht?

  • Wie testet man ob es sinnvoll für das eigene Geschäft ist zu twittern?
  • Was sagt das Metcalfesche Gesetz über den Aufbau eines Netzwerks. Gerade in Bezug auf Twitter.
  • Wie sinnvoll ist das Twittern eigentlich für das eigene Geschäft? Was sagt Pareto mit seinem 80/20 Prinzip dazu?

Sagen wir mal, dass Twitter für die Kommunikation zwischen Freunden entwickelt wurde. Eine ganz feine Sache.

Damit ist das Marketing erst mal ein Fremdkörper. Vielleicht können Sie sich mal daran erinnern wie vor wenigen Jahren noch eine heftige Diskussion tobte, ob man Blogs zur Vermarktung nutzen darf oder soll. Die gleiche Diskussion findet heute statt, und wenn man aus der Vergangenheit lernt, dann weiß man ja wie die Diskussion verlaufen wird / teils schon verlaufen ist.

Und wenn so etwas dann funktioniert, dann wird die Marketingwelt ganz heiß und sagt: „Will ich haben!“

Wie sinnvoll ist das mit dem Twittern aus Marketingsicht?

Die Antwort ist vielfältig. Die nachfolgenden Informationen werden Ihnen vielleicht helfen eine clevere Antwort für das eigene Geschäft zu finden.

Wer das nachfolgende Video anschaut, wird den Eindruck haben dass man twittern soll bis das Keyboard abraucht.

Überzeugt?

Doch so einfach ist das nun auch nicht.

Natürlich ist es möglich Twitter zur Vermarktung zu nutzen.
Die Frage ist nur, ob es für Sie auch sinnvoll ist oder nicht.

Immerhin hat man nur 24 Stunden am Tag, und sollte ziemlich effizient nach Pareto arbeiten. Ist twittern für Ihr Geschäft auf der richtigen Seite der 80/20 Regel von Pareto? Oder gibt es wichtigere und effizientere Vertriebsaktivitäten für Sie und Ihr Geschäft?

  • Viele Marketingberater raten zum Twittern. Klar, jeder Krämer lobt seine Ware.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass man im Marketing (für Marketing) anders vermarktet als im Produktmarketing. Und auch das Informationsmarketing für kostenpflichtige Informationsprodukte ist anders als das Informationsmarketing für materielle Güter.

Mal im Vergleich zu einem Blog: Bei einem guten Blog erhalten Sie mit der Zeit Backlinks, die erst mal auch so im Internet stehen bleiben. Bei Twitter ist Ihr Kommentar ziemlich schnell im wahrsten Sinne des Wortes von der Bildfläche verschwunden.

  • Wer aktiv in einer Marktnische twittert kann sich recht schnell eine Gefolgschaft aufbauen. Werden Sie in zwei oder drei Jahren denken: „Hätte ich damals doch schon angefangen und getwittert…“

Um mal genauere Zahlen zu nennen: Wenn Sie ein Liste von ca. 10.000 Followern bei Twitter haben, und mit einem Blast (Serie von Tweets zu einem Thema) auf Ihre Seite bzw. einen Artikel aufmerksam machen, dann werden Sie etwa 80 – 120 Besucher auf Ihre Webseite bekommen.

Wenn überhaupt…

Könnte aber auch mehr sein wenn ihr Markt, aufgrund Ihrer Aktivitäten, Ihnen so etwas wie einen Guru-Status zuspricht.

Da ist manch ein Unternehmen viel besser dran, mit bezahlter Werbung mehr Leute schneller  zu erreichen. (Die Ausnahme bildet das Bloggen als Geschäft, aber da gelten andere Regeln als in einem normalen Unternehmen.)

  • Andererseits geht es nicht billiger eine Liste aufzubauen, wenn sich jemand von zuhause auf ein Geschäft aufbaut und einen echten Mehrwert bieten kann.

Ziel ist es die Liste bei Twitter in Ihren Verkaufstrichter hinein zu bekommen. Jedenfalls so gut es geht. Angefangen mit dem abonnieren des RSS-Feed, einer Einschreibung in den Newsletter, Downloads anfordern, weitere Videos nach dem ersten Video anschauen – was man halt so macht um eine Liste aufzubauen. Oder das die Person Sie unter den eigenen Lesezeichen im Browser abspeichert.

Informationsmarketing ist das was man mit Twitter macht. Hat man überhaupt was zu sagen was für eine Marktnische lesenswert ist? In den meisten Fällen schon, die Frage ist nur, ob die Zielgruppe auch dort unterwegs ist.

Mit Social Media kommt der Netzwerk-Gedanke ins Spiel.

Über 12 Monate jeden Monat 10% mehr Follower bedeutet:

100 Follower haben Sie zum Beispiel jetzt.

1 Monat plus 10% = 110 Follower

Pro Monat 10% mehr bedeutet 285 Follower nach einem Jahr.

100, 110, 121, 146, 161, 177, 194, 214, 235, 259, 285

Nicht so prickelnd.

Das Metcalfesche Gesetz sagt da etwas anderes:

Der Nutzen eines Kommunikationssystems steigt mit dem Quadrat der Anzahl der Teilnehmer.

Ganz schön aufregend…

  • Das bedeutet, dass die Zahl der Re-Tweets einen besonders hohen Netzwerk-Effekt hat. Aber auch, dass es schwieriger ist die ersten 100 Follower aufzubauen, als die nachfolgenden 500 oder 1000 Follower zu für sich zu gewinnen.
  • Man sieht immer wieder, wie eine Nachricht unheimlich schnell um die Welt geht – vorausgesetzt die Information an sich hat einen viralen Charakter.

Die wichtige Frage in Punkto Marketing heißt: Wie kann man selber die Liste bei Twitter monetarisieren? Sicherlich nicht indem man nur Verkaufsbotschaften und Links zu Verkaufsseiten twittert.

  • Kann man genug Mehrwert bieten, so dass man die Leser auf die eigene Webeite bekommt?

Wie immer im Direktmarketing: Ein Test ist 1000 Mal mehr wert als eine Meinung. Einfach mal drei Monate twittern und dann eine Zwischenbilanz halten. 5 – 10 Tweets pro Tag mal 30 Tage mal 3 Monate sind ca. 675 Tweets. So schwer ist das auch nicht, die Ausdauer ist halt wichtig. Ein bisschen System, und man verzettelt sich nicht. Vielleicht entpuppt es sich als die optimale Möglichkeit neue Leads zu geringen Lead-Kosten zu bekommen.

Einfach dann in Google Analytics schauen wie viele Besucher über Twitter kommen, und dann schauen wie lange die auf ihrer Webseite bleiben. Wenn die Besucher im Schnitt nur wenige Sekunden bleiben, dann gibt es sicherlich Wichtigeres zu tun.

Eine weitere Regel des Direktmarketings: Sagen Sie nie, dass etwas in Ihrem Markt nicht funktioniert, wenn Sie es nicht getestet haben. Es könnte Sie sehr viel Geld kosten.

Aber bitte denken Sie dran: Wenn irgendwann aus irgendeinem Grund Twitter tot umfallen sollte – hoffentlich haben Sie dann am eigenen Kapital, der eigenen Email-Liste gearbeitet. Bisher war es immer so, dass billige Werbemedien gesetzlich reguliert werden, weil so viel Missbrauch des entsprechenden Werbemediums geschieht. Und dann übertreibt der Gesetzesgeber dann schnell. Man weiß nie was die Zukunft bringt, vielleicht ist es diesmal ja anders.

Hoffe es hilft.

Markus Trauernicht