Sind Blogs für echte Unternehmen überhaupt sinnvoll?

Ganz am Anfang muss man sich erst mal folgendes fragen:

1. Warum Sie überhaupt bloggen wollen?

2. Woher der gängige Rat in Punkto bloggen kommt, und ob dieser für Unternehmen relevant ist?

Und wenn man sich die Hintergründe zu diesen zwei Fragen anschaut, dann kann man die Frage danach, ob man als Unternehmen selber bloggen soll auch recht genau beantworten.

Für ein Unternehmen liegt das Ziel beim bloggen darin, neue Kunden zu bekommen. Also durch den Blog zur logischsten Ansprechadresse zu werden. Das heißt, man schreibt interessante, hilfreiche und relevante Artikel, um potentielle Kunden und vorhandene Kunden während der Kaufentscheidung zu unterstützen und zu begleiten.

Was man dabei nicht gebrauchen kann ist, wenn nach einen tollen Artikel irgendein ein Neider oder Kritiker sich negativ äußert. Denn das ist ja dem Ziel, neue Kunden zu gewinnen, nicht besonders dienlich. Man kann also die Kommentarfunktion ausschalten, um das zu verhindern, aber gleichzeitig die anderen Vorteile eines Blogs zu nutzen. Immerhin mag es niemand, wenn irgendein Fremder vorbei torkelt und in den Vorgarten pinkelt. Und das ist ja genau das was passiert, wenn jemand negativ auf dem Blog eines Unternehmens herum zickt.

Blasphemie, schreit da die Bloggerszene. Ein Blog ohne die Möglichkeit zu kommentieren ist kein Blog.

Na und?

Womit wir zur zweiten Frage kommen. Wer macht denn die Bloggerszene aus, und hat die Ihnen als Unternehmer wirklich etwas zu sagen?

Der normale Ur-Blogger lebt davon, dass er Werbung auf seiner Webseite schaltet und daran verdient. Jedenfalls war das mal so. Die Idee ist, dass man die Blogs untereinander verlinkt, und dann wie eine große liebe Familie einander den Traffic zuspielt. Nur gibt es ein großes Problem: Fast keiner will noch richtig verlinken. Dahinter steckt auch die deutsche Neiderkultur … ja nicht zu viel geben.

So gibt es immer wieder einen Aufruf von irgendeinem frustrierten Blogger, der alle dazu aufrufen will fleißig untereinander zu verlinken, und doch das echte Potential der Bloggerszene anzuzapfen. Und solche Frust-Aufrufe zeigen ja auch deutlich wie der Stand der Dinge wirklich ist.

… man muss die Welt sehen wie sie ist.

Offensichtlich ist es ein starkes psychologisches Bedürfnis der Insider-Bloggerszene (wer immer das auch sein mag) nicht so sehr zu verlinken, wie es sich viele wünschen. Zudem verteilt der Traffic sich auf immer mehr Webseiten, und es bleibt für alle weniger übrig. Wer vorne mitlaufen will, muss einen enormen Aufwand betreiben, und einen hochwertigen Artikel nach dem anderen produzieren. Und dann taucht die Frage auf, warum man auf andere verlinken sollte, wo man doch selber diesen enormen Aufwand betreibt? Immerhin ergibt sich aus einem Trafficvolumen eine bestimmte Klickrate, und daraus ein gewisser Verdienst an Werbeaufnahmen.

Zweitens wird hier folgendes deutlich: Der normale Blogger verdient über Klicks auf  Werbelinks. Das Unternehmen verdient, indem physische Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden. Dazwischen liegen Welten.

Im Klartext heißt dies alles, dass die Insider-Bloggerszene selber mit dem Konzept des Blogs ein gewaltiges strukturelles Problem hat. Zudem ist der Aufwand einen guten Blog zu unterhalten, enorm. Und rein über Werbung zu verdienen ist eines der schwierigsten Geschäftsmodelle. Für die Erfolgreichen ist der Verdienst über die Werbung oft eher etwas wie ein positives „Abfallprodukt“. Was natürlich für die Fleißigen und Pfiffigen Blogger ideal ist, weil es leichter wird sich von der der Masse abzusetzen, und deutlich hervor zu stechen.

Das dritte Problem ist, dass die Masse der privaten Blogger mit den Einnahmen über den Blog fast nicht in der Lage ist, überhaupt die Hosting-Kosten zu bezahlen. Sollten echte Unternehmen, also Unternehmen die Produkte verkaufen, jetzt wirklich auf den Rat der Blogger-Szene hören?

Ein Unternehmen muss den Aufwand dem Nutzen gegenüber setzen. Auch ein Blog kostet Geld, weil dahinter ein hoher Aufwand steckt. Zudem braucht die Kritik von Kunden einen geschützten Rahmen. Was unzufriedene Kunden von sich lassen, gehört in den geschützten Rahmen des Kundenservice. Nicht öffentlich auf einem Blog ins Internet. Und das macht die Kommentarfunktion auf einem Blog für Unternehmen zu einem zwiespältigen und gefährlichen Instrument.

Was private Blogger gerne vergessen ist, dass Unternehmen Geld verdienen müssen um eine Existenzberechtigung zu haben. Das Geld ist für das Unternehmen wie Sauerstoff für den Menschen. Es braucht ein kompromissloses Mindestmaß an Sauerstoff. Wer schneller unterwegs ist braucht mehr, genauso wie ein Elefant mehr Sauerstoff als eine Ameise braucht. Eine Diskussion darüber, ob man über einen Blog überhaupt Geld verdienen darf indem man Kunden gewinnt, ist aus Unternehmenssicht schlichtweg unverantwortlich. Unverantwortlich gegenüber sich selbst als Unternehmen, den Mitarbeitern, den Familien der Mitarbeitern und einem Kundenservice der auch bezahlt werden will (hat was mit zufriedenen und wiederkehrenden Kunden zu tun).

Ob es jetzt wirklich selbstloser und altruistischer ist, sich darauf fest zu legen, mit dem eigenen Blog als Blogger kein Geld zu verdienen ist fraglich!

Ganz sachlich gesehen ist ein Blog ein Instrument. Für den einen zur privaten Selbstdarstellung, für den anderen eine Lebensgrundlage für das eigene Geschäft. Nichts als ein Vehikel. Der eine braucht ein Fahrrad um von A nach B zu kommen, der Andere einen Lastwagen um Sand von A nach B zu transportieren. Beides hat seine Berechtigung. Das Vehikel ist Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger.

Der private Blogger muss sich nicht so sehr im Klaren darüber sein was sein Zweck ist. Das Unternehmen schon, weil jeder Artikel auf dem Blog finanziert werden will. Der private Blogger kann es sich erlauben sich zu verzetteln, als Unternehmen kann es die eigene Existenz kosten sich zu verzetteln.

Die wirklich wichtigen Fragen lauten:

  • Was ist das eigene Ziel welches mit dem Blog erreicht werden soll?
  • Ist der Blog das geeignete Vehikel für mich und mein Unternehmen?
  • Welcher Rat in Punkto Blog kann von Unternehmen aus der privaten Bloggerszene übernommen werden, und was sollte tunlichst ignoriert werden?

Keine Frage, ein Blog kann zum Hammer-Werkzeug im Marketing werden. Es ist die Möglichkeit überhaupt tief in eine Marktnische vorzudringen und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es ist halt Arbeit, viel Arbeit…

Markus Trauernicht

Weiteres zum Thema: Blogparade – Geht die Professionalisierung des Bloggens zu weit?