Warum ist es für Unternehmen so schwer vernünftige Blogs und Newsletter schreiben?

Meist fängt ein neuer Blog oder Newsletter mit viel Elan und Begeisterung an. Doch es dauert nicht lange, und es klemmt.

Schauen wir uns erst mal einen Blog eines Ein-Mann-Unternehmens an. Dahinter steckt eine Person mit den eigenen Prägungen, der eigenen Persönlichkeit, dem eigenen Humor – das was die Person halt ausmacht. Man kann tun und lassen was man will. Niemand redet rein.

In einem etwas größeren Unternehmen sieht das schon gleich anders aus. Die Person die für den Blog oder Newsletter verantwortlich ist, muss zu viele andere im Unternehmen zufriedenstellen. Den Chef, den Marketingleiter, Mitarbeiter, denjenigen der den Newsletter versendet usw.

Zu viele reden mit.

Das Resultat ist meist ein lauwarmes Etwas dem die Würze fehlt. Diejenigen die reinreden, machen das oft auf dem Niveau von „hair stuff“. Wer hat die schönere Frisur, und wer muss deswegen mal wieder in die Schranken verwiesen werden? Männer und Frauen sind hier gleichermaßen schuldig.

Der eine verlangt eine gediegenere Sprachwahl, der andere kürzere Texte, der nächste hat Panik, dass es zu wenig „corporate“ rüberkommt. Wieder ein anderer will ein größeres Logo, für den nächsten ist der Flashfilm zu wenig repräsentativ (was auch immer das sein mag), und der Graphiker will noch mehr Design. Derjenige der die Emails dann verschickt, hat Panik vor einer höheren Austrage-Rate (Opt-Out), oder ist der Meinung, dass eine Email nur ganz kurz sein darf. Der nächste fängt dann an den Text zu zerfetzen, wieder ein anderer will zeigen, dass er politisch im Unternehmen mehr zu sagen hat.

Rein wettbewerbstechnisch hat der Blog / Newsletter extern wie intern keine wirkliche Chance.

Es dauert dann auch nicht lange, bis so ein Newsletter oder Blog verkümmert.

Und wenn sich doch jemand durchringt, Newsletter und/oder Blog voranzutreiben, dann besteht die Gefahr, dass der Job weniger sicher ist. Immerhin ist es sehr gefährlich für Projekte verantwortlich zu sein die sehr transparent sind, und bei denen zudem viele reinreden können. Man kann sogar über ein Tracking schauen ob etwas verkauft wird oder nicht, oder über die Öffnungsrate der Emails und Opt-Out Rate sehen ob die Qualität auch stimmt.

Und Transparenz wird im Marketing nun mal nicht so gerne gesehen, wenn man rational und sachlich die Arbeit überprüfen kann. Deswegen wird sich ja auch oft vehement gegen Response-Elemente gewehrt. Wer will denn schon, dass eine feine hochwertig ausgearbeitete Anzeige in einem teuren Magazin als untauglich erkannt wird?

  • Jeder freiberufliche Texter weiß, dass ein Projekt zum Scheitern verurteilt ist, wenn er mehr als einen Ansprechpartner bei seinem Kunden hat. Und der Text dann noch durch verschiedene Gremien wandern muss. Das ist die Garantie dafür, dass der Text floppen wird, und dass es nichts mit einer langfristigen Zusammenarbeit wird. Ich ziehe mich dann so schnell wie möglich zurück…

Und genau so ist das mit einem Blog oder Newsletter in einem Unternehmen – wenn zu viele dreinreden klappt es nicht.

Lösung: Eine Möglichkeit ist einen reinen Verkaufsnewsletter einzurichten. Das heißt der Newsletter wird in regelmäßigen Abständen verschickt, und es sind nur gute Angebote enthalten. Die Discounter machen das recht erfolgreich.

Lösung: Eine geschickte Lösung ist, dass man zwei Leute auf den Blog / Newsletter ansetzt. Somit geht das Projekt auch nicht gleich den Bach hinab, wenn eine zuständige Person das Unternehmen verlässt. Es muss klare Zuständigkeitsverhältnisse zwischen diesen beiden Personen haben, damit die genannten Probleme nicht systembedingt auftauchen. Und die zwei sollten auch gut miteinander auskommen und bereit sein einander zuzuarbeiten. Ok, vielleicht nicht immer machbar.

Lösung: Lassen Sie die Person am Blog / Newsletter von der Leine. Wenn jemand daran arbeitet, der immer angekettet ist, dann fehlt nachher die Würze. Und Würze ist nun mal ein wesentlicher Teil davon, dass man die richtige Aufmerksamkeit bekommt. Sorgen Sie dafür, dass die Zuständigkeiten eindeutig sind.

Lösung: Wichtig ist auch, dass man sich nicht über das eigene Image verrückt macht. (Meistens hat man eh gar nicht das Image, welches man meint zu haben). Das ist ein Grund warum die Infos nicht rausgehen. Man hat ständig das Gefühl, dass diese Infos nicht gut genug sind. Und am Ende passiert gar nichts. Nicht gut. Perfektion lähmt. Gut ist gut genug – es ist die Grundlage zur logischen Ansprechadresse für ein hochpreisiges Produkt zu werden.

Und dann gibt es noch etwas.

Lösung: Das Marketing sollte nicht so einfach und leichtfertig aus der Hand gegeben werden. Im Marketing liegt das Geld, weil es um den Verkauf geht. Lassen Sie niemanden an einen Blog / Newsletter, der ein Problem mit dem Verkauf hat. Oder ein Problem damit, dass der Chef eventuell viel Geld verdient. Jemand der nicht versteht, was es heißt monatlich Gehälter bezahlen zu müssen, versteht auch nicht, dass ein satter Finanzpuffer eine sichere Liquidität bedeutet.

Lösung: Der Blog / Newsletter darf nicht der Job sein, den Niemand machen will. Sorgen Sie dafür, dass es ein interessanter Job ist. Nur so können Sie gute Leute halten. Gute Leute finden oft schnell einen anderen Job. Besonders jene die in der Lage sind einem Unternehmen zu mehr Kunden zu verhelfen. Sorgen Sie dafür, dass der Job so interessant ist, dass dieser Job nicht einfach auswechselbar ist. Wenn alle rein reden dürfen, dann ist es sicherlich kein interessanter Job.

Ein Blog / Newsletter muss lesenswert sein. Sie wissen nicht was die Zukunft bringt. Ihre Herde, also diejenigen die auch mal auf Sie hören, will gepflegt werden. Wer nicht etwas anders und besser ist, muss billiger sein. Billiger sein bedeutet mehr Arbeit, und meist auch weniger Spaß!

Hören Sie nicht auf mit dem Marketing wenn es gerade gut läuft. Sonst schaffen Sie sich dieses systembedingt Problem: Viel Arbeit, wenig Arbeit, viel Arbeit, wenig Arbeit, viel Arbeit, wenig Arbeit…

Ein Blog / Newsletter ist Arbeit, und nicht ganz wenig. Wer hat die besten Infos im Informationsmarketing?

In der Vergangenheit sind viele wohlhabend und reich geworden, auch ohne sehr hart zu arbeiten oder innovativ zu sein. Was wenn diese Zeit vorbei ist?

Ein Schutz ist dann die logische Vertrauensperson zu sein. Ein Blog / Newsletter hilft dabei. Besonders wenn er dann schon eine Weile vorhanden ist.

Denken Sie dran: Content / Inhalte sind bald nur noch die halbe Miete.

Markus Trauernicht