Praktisches Beispiel für einen Finanztext-Werbetext: Wie Sie mit dem Einstieg in den Verkaufstext die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnen

Nachfolgend ein Beispiel für einen Finanztext. Dazu die Begründungen und Erklärungen, warum ich was wie geschrieben habe.

Erst mal ein Hintergrund:

  • Und zwar geht es darum eine eigene Waldfläche zu kaufen. Also keine Fondsanteile, sondern eine Holzplantage bei der man auch als Besitzer im Grundbuch eingetragen ist. Bewirtschaftet wird der Wald dann von einem Holzunternehmen, welches eh schon auf Neuseeland tätig ist. Von der Bewirtschaftung bis hin zum Verkauf des Holzes wird alles von dem Verwaltungsunternehmen übernommen. Alles ohne dass Banken, Versicherungen oder Fondsmanager das Investment verwalten.
  • Die typische Zielgruppe, ist jemand der kein Interesse hat via Banken und Versicherungen sein Geld anzulegen. Die mögliche Investitionssumme für dieses Private Equity Investment liegt lag bei ca. 2 Millionen Euro bis in den zweistelligen Bereich. Hintergrund war, dass zwei Schweizer Unternehmer nach einem eigenen Investment gesucht hatten, um eigenes Vermögen anzulegen. Nachdem alles erfolgreich abgelaufen war, erschien es denen naheliegend das Konzept als Investmentmöglichkeit anzubieten, und an der Abwicklung einen Nebenverdienst zu haben.
  • Geschrieben habe ich den Text in 2007.

Hier das Beispiel für den Werbetext

Wie Sie Ihr Portfolio mittels eines
zukunftsträchtigen Private-Equity-
Investments diversifizieren.

Und zwar unabhängig von  zukünftigen
Schwankungen und Unsicherheiten an der Börse!

Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen. Es geht um eine private Investition in Waldplantagen auf der Südinsel Neuseelands. Und zwar so, dass das Land und der Wald auf dem Land Ihnen selber gehört. Holz als Geldanlage – ein vergessenes Investment? Oder die Möglichkeit stabil und profitabel in die Zukunft zu investieren?


Wenn Sie den nachfolgenden Text durchgelesen haben, werden Sie über folgende Informationen genau Bescheid wissen:

  • Welche Gewinnperspektiven und besonderen Anlegervorteile sich ergeben.
  • Wie Sie in den Besitz einer eigenen Waldfläche kommen.
  • Wie viel Sie mit dem Anbau, der Pflege und der Verwaltung direkt selber zu tun haben.
  • Warum das Direktinvestment in eine Waldfläche einen anleiheähnlichen Charakter hat, aber ohne Inflationsrisiko.
  • Wie eine Eule das Investment in Nutzwälder in Neuseeland besonders interessant machte, und wie Sie davon profitieren können.
  • Warum und wie die Geschichte Neuseelands äußerst günstige Bedingungen für den kommerziellen Waldanbau geschaffen hat.
  • Wo die besonderen Vorteile dieser Investition sind, ganz besonders im Vergleich zu anderen Rohstoffen wie z.B. Getreide.
  • Wie der Zusammenbruch der Bank of Glascow im Jahr 1878 sich heute äußerst günstig für Ihr Investment in eine neuseeländische Waldfläche auswirkt.
  • Warum Umweltschützer in Neuseeland der intensiven kommerziellen Waldbearbeitung nicht im Weg stehen; ja sogar voll dahinter stehen.


 

Die Überschrift:

Wie Sie Ihr Portfolio mittels eines
zukunftsträchtigen Private-Equity-
Investments diversifizieren.

  • Die  Gefahr ist hier, dass man gleich anfängt über Holz und Holzplantagen zu sprechen, und sich dann nicht in die starken Emotionen der Zielgruppe einklinkt. Die Zielgruppe hat andere große Sorgen. Investments über Banken und Versicherungen sind denen nicht geheuer. Das Vertrauen fehlt, schon auch vor dem Crash von Lehman Brothers. Immerhin hat man auch viel geleistet, und will das Geld jetzt auch profitabel anlegen. Zudem besteht die Gefahr, dass jemand nicht weiter liest, wenn er gleich etwas von Holz erfährt. Hier geht es erst mal darum den Interessenten dazu zu bewegen, weiter zu lesen.
  • Die Überschrift dient dazu den Interessenten in den Text hinein zu ziehen, und gleichzeitig ungeeignete Interessenten auszufiltern. In dem heutigen Marktumfeld würde ich die Überschrift anders schreiben als in 2007. Eventuell die Holzplantage als sicheren Hafen schon in der Überschrift erwähnen.

 

Sub-Überschrift / Zweitüberschrift:

Und zwar unabhängig von  zukünftigen
Schwankungen und Unsicherheiten an der Börse!

Besonders erfolgreiche Unternehmer haben ein tiefes Misstrauen gegen Banken und institutionellen Anlegern. Denken Sie dran, es geht hier darum einen Stereotyp anzusprechen. Die Zweitüberschrift gibt schon mal eine klare Richtung an. Die Schwankungen und Unsicherheiten an der Börse sind mit der tiefen Angst verbunden, das vorhandene Kapital zu verlieren. Für manch einen erfolgreichen Unternehmer grenzt es schlichtweg an Idiotie das eigene Geld in Aktien und Fonds zu investieren, einfach weil die geschäftliche Substanz oft zu weit weg von der Aktie ist. Bei der klassischen Aktie verdient man wenn der Kurs hoch geht, und verliert wenn sie nicht an Wert gewinnt oder fällt. Die Chancen stehen somit bei einer klassischen Aktie systembedingt 2:1 gegen den Investor. Die Dividende ist letztendlich das was aufgrund einer geschäftlichen Substanz entsteht (jedenfalls sollte es so sein).

 

Erster Absatz:

Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen. Es geht um eine private Investition in Waldplantagen auf der Südinsel Neuseelands. Und zwar so, dass das Land und der Wald auf dem Land Ihnen selber gehört. Holz als Geldanlage – ein vergessenes Investment? Oder die Möglichkeit stabil und profitabel in die Zukunft zu investieren?

 

Es geht gleich zur Sache. Der Leser soll sofort sehen, dass man versteht was er will. Und zwar will er die Finger selber auf dem Geld haben. Und nicht irgendeinem anonymen Fondsmanager das Geld geben, dessen Investment möglicherweise von Anfang an überwiegend zu Gunsten der Fondsgesellschaft ausgelegt ist. Es wird gleich gesagt, dass es darum geht, dass man am Ende eine Waldplantage selber besitzt. Man lässt den Leser schon etwas von dem Gefühl verspüren, wie es wäre diesen Wald zu besitzen. Zusätzlich wird die Neugierde mit den letzten zwei Fragen angestachelt – immerhin geht es darum den Leser in den Text zu ziehen.

  • Auch hier würde ich diesen ersten Absatz im heutigen Marktumfeld anders schreiben. Die Verlustängste mit schlechten Investments Geld zu verlieren sind um ein Vielfaches höher als 2007.

 

Teaser, der Leser erfährt jetzt, was er erfahren wird:

Wenn Sie den nachfolgenden Text durchgelesen haben,
werden Sie über folgende Informationen genau Bescheid wissen:

  • Es geht darum den Leser nochmals in den Text zu ziehen. Mit der Aussage, dass er Antworten auf die zwei letzten Fragen des vorangegangenen Absatzes bekommt. Die Neugierde wurde angestachelt. Der Leser ist natürlich skeptisch, aber auch interessiert, wenn er schon so weit gelesen hat. Jetzt will er natürlich wissen, wie vertrauensvoll das wohl ist was er da vor sich sieht. Mit diesem einführenden Satz wird eine Zusage gemacht, man wird genau erfahren was wichtig ist.

 

Bullets / Aufzählungspunkte:

  • Welche Gewinnperspektiven und besonderen Anlegervorteile sich ergeben.
  • Wie Sie in den Besitz einer eigenen Waldfläche kommen.
  • Wie viel Sie mit dem Anbau, der Pflege und der Verwaltung direkt selber zu tun haben.
  • Warum das Direktinvestment in eine Waldfläche einen anleiheähnlichen Charakter hat, aber ohne Inflationsrisiko.
  • Wie eine Eule das Investment in Nutzwälder in Neuseeland besonders interessant machte, und wie Sie davon profitieren können.
  • Warum und wie die Geschichte Neuseelands äußerst günstige Bedingungen für den kommerziellen Waldanbau geschaffen hat.
  • Wo die besonderen Vorteile dieser Investition sind, ganz besonders im Vergleich zu anderen Rohstoffen wie z.B. Getreide.
  • Wie der Zusammenbruch der Bank of Glascow im Jahr 1878 sich heute äußerst günstig für Ihr Investment in eine neuseeländische Waldfläche auswirkt.
  • Warum Umweltschützer in Neuseeland der intensiven kommerziellen Waldbearbeitung nicht im Weg stehen; ja sogar voll dahinter stehen.

 

Das Ziel der Aufzählungspunkte ist, die Neugierde des Lesers anzustacheln. Und gleichzeitig einen Maßstab zu setzen, an dem man gemessen wird. Was heißt das? Jeder dieser Punkte wird im nachfolgenden Finanztext mittels einer starken Beweisführung genau abgearbeitet. Am Ende des Verkaufstextes kehrt der Leser zum Anfang eines Textes zurück um nochmals die Infos zu überfliegen. Mit den Aufzählungspunkten hat man eine Erwartungshaltung geschaffen. Und diese Erwartungen wurden mittels der starken Beweisführung im Text bewiesen und erfüllt.

Ein ganz klassischer Fehler in Überschriften im Werbetexten ist, wenn große Versprechen in der Überschrift im Werbetext gemacht werden, und die Beweisführung im Text diesen Versprechen nicht gerecht wird. Das kann kurzfristig die Verkaufszahlen steigen, man verliert jedoch die Interessenten die auf Seriosität stehen. Immerhin geht es hier um 7 – 8 stellige Investments. Der Investor soll seine eigene Holzplantage (Farm) besitzen, auf der jetzt schon Bäume angepflanzt sind, und die je nach Alter der Bäume in 5 – 20 Jahren abgeholzt werden können. Aufgrund des Wetters in Neuseeland wachsen Nadelbäume 3 Mal schneller als ein vergleichbarer Baum in Europa oder Kanada. In der Beweisführung wird später auf die Monterey Kiefer eingegangen.

 

Wer in Holz investiert weiß, dass der Umweltschutz zu einem Problem werden kann.

  • Warum Umweltschützer in Neuseeland der intensiven kommerziellen Waldbearbeitung nicht im Weg stehen; ja sogar voll dahinter stehen.

 

Der Hintergund ist, daß seit 1840 rund 4/5 der kompletten Waldfläche Neuseelands gerodet wurden. Was natürlich viele Tierarten bedroht. Umweltschützer heißen somit Waldplantagen sehr willkommen, weil erstens die Erodierung des Bodens aufgehalten wird, und zweitens den bedrohten Arten mehr Unterschlupf geboten wird. Immerhin steht ein Wald auch viele Jahre bis er abgeholzt wird. Würde die kommerzielle Nutzung nicht sein, würde es überhaupt keinen Wald an genau der Stelle geben. Gefährdete Arten bekommen ein geeigneteres Habitat, im Vergleich zu den Grasflächen (welche durch die Rodung einheimischer Wälder entstanden sind) wo kaum Schutz vor Raubvögeln besteht.

 

Hier ein Beispiel was hinter einem solchen Aufzählungspunkt steckt.

  • Wie der Zusammenbruch der Bank of Glascow im Jahr 1878 sich heute äußerst günstig für Ihr Investment in eine neuseeländische Waldfläche auswirkt.

Hier der Hintergrund auf den der Text noch ausführlicher eingeht: Nach dem Zusammenbruch der Bank of Glascow mussten viele Farmer ihr Land spottbillig verkaufen, weil  diese plötzlich nicht mehr in der Lage Ihren finanziellen Verpflichtungen hinterher zu kommen. Deren Geld war schlichtweg veruntreut worden. Genau diese Farmer mussten ihr Land kurzerhand verkaufen. Die Schafzucht wurde immer intensiver, doch es war aufwendig lebende Tiere nach Europa zu verfrachten. 1882 fand der erste Transport von gefrorenem Fleisch nach England statt. 1900 waren es schon 3,5 Millionen Tonnen Schaffleisch welche nach Europa exportiert wurden. Natürlich wurden dafür große Waldflächen gerodet. Die Wolle war natürlich ein willkommenes weiteres Produkt. Aufgrund des ersten Weltkrieges wurde der Transport von Fleisch und Wolle auf dem Seeweg von Neuseeland nach England immer schwieriger. Als Folge wurden die Schafherden immer mehr verkleinert, so dass riesige Grasflächen brach lagen. Die ständige Abholzung hatte eine gewaltige Erosion des Mutterbodens, wenn also fruchtbarer Mutterboden weggespült wird, mit sich gebracht.

  • Kernaussage die mit der Beweisführung heraus gearbeitet wird: Man ist in Neuseeland froh, wenn Grasflächen wieder bewirtschaftet werden. Gleichzeitig wird hier auch gezeigt, dass der Anbieter des Investments auch wirklich Ahnung hat von dem was er da macht.

 

Oder noch ein Aufzählungspunkt:

  • Wie eine Eule das Investment in Nutzwälder in Neuseeland besonders interessant machte, und wie Sie davon profitieren können.

Neugierde, darum geht es hier. Und vor allem zieht eine solche Info jemanden in den Text, der weiß dass Umweltschutz bei Holzinvestments oft ein Problem ist. Hier wird auf den Hintergrund eingegangen, dass eine Eule in den USA von Aussterben bedroht ist, und dass von einem Tag zum anderen einige Millionen Fläche Wald nicht mehr bewirtschaftet werden konnten. Russland erwies sich als schlechte Alternative, weil die Bäume aufgrund der Kälte sehr langsam wachsen. Zudem stellten sich westliche Umweltverbände in Russland in den Weg. Neuseeland wird somit viel mehr zu einer interessanten Alternative, weil die Umweltverbände über Plantagen erfreut sind. Es werden im Text also nach und nach die großen Einwände entkräftet.

Dann wird eins draufgelegt, indem gezeigt wird, wie 1991 ein einzigartiger Deal mit den Umweltschützern in Neuseeland unterzeichnet wurde, der an Einfachheit, Umweltfreundlichkeit, Pragmatismus und Unkompliziertheit nicht zu übertreffen ist. Ja, in Europa schlichtweg unmöglich wäre. Die unterzeichneten „Principles for Commercial Plantation Forest Management in New Zealand“ lauten im Prinzip so: „Bleibt weg von den einheimischen Wäldern, Flüssen und sensitiven Gegenden, und Ihr könnt frei der kommerziellen Holzgewinnung nachgehen!“

 

Noch ein Aufzählungspunkt:

  • Warum das Direktinvestment in eine Waldfläche einen anleiheähnlichen Charakter hat, aber ohne Inflationsrisiko.

Je länger die Laufzeit einer Anleihe, umso größer das Zinsänderungsrisiko. Wenn der Marktzins fällt, dann fällt der Kurs mit fester Nominalverzinsung. Hier wird dann erklärt, wo das Investment einen anleiheähnlichen Charakter hat, man aber im Notfall den Wald auch ein paar Jahre stehen lassen kann, wenn man mit dem Holzpreis am Weltmarkt nicht zufrieden ist.

Heute könnte aufgrund der massiven Währungsprobleme des Dollars, Euro, Yen und Pfund noch intensiver auf diesen Punkt eingegangen werden. Die Probleme waren zwar schon 2007 vorhanden, allerdings nicht so sehr im Bewusstsein der Zielgruppe.

Im weiteren Finanztext wird dann auf die Vorteile Neuseelands eingegangen, und die Unterschiede zu einem typischen Holzinvestment via Fonds aufgearbeitet. Zum Beispiel das Fonds oft die nachgelagerten Verarbeitungsstufen beinhalten, wie die Herstellung von Baustoffen, Holzplatten und Zellulose. Dadurch werden aber die typischen Charakteristiken der Forstwirtschaft reduziert, wie zum Beispiel die Tatsache, dass man aufgrund einer eigenen persönlichen Entscheidung eine Marktflaute bequem aussitzen kann, indem man die Bäume noch ein paar Jahre stehen lässt.

Hat Ihr Finanztexter das drauf was es braucht? Was sind Finanztexte eigentlich wert?

Denken Sie dran, es gibt wenige Probleme die nicht mit einem Verkaufstext gelöst werden können. Viele Probleme sind für Unternehmen sind vorhanden, weil schlichtweg schlecht verkauft und vermarktet wird. Hier noch ein paar Erfolgsfaktoren für den Verkauf.

 

Markus Trauernicht