Pflege des Kaninchens

Um eine geschicktere Pflege Ihres Kaninchens zu ermöglichen, gibt es Dinge die gelernt werden müssen.

Füttern mit einer Spritze: Dies ist etwas, was ein Kaninchen unbedingt lernen muss. Sollte Ihr Kaninchen mal krank werden, dann  ist es wichtig, dass Ihr Kaninchen eine Spritze mit einem positiven Erlebnis verbindet. Es muss also lernen aus einer Spritze gefüttert zu werden. Genau so ist es, wenn Medikamente verabreicht werden müssen. Wenn diese zerkleinert werden, und z.B. mit Banane (oder Babynahrung für Menschen) vermischt werden, dann ist das Medikament schon längst im Magen, bevor dass Kaninchen eventuell merkt, das die Banane einen bitteren Nebengeschmack hatte. Sie sparen sich unter Umständen so eine Tierarztrechnung, wenn Sie Medikamente selber verabreichen können. Natürlich geht es hier um eine Spritze ohne Nadel!

 

In „Trance“ versetzen: Sehr umstritten, und wenige sehen den Sinn. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, ist es sinnvoll sich mal die „Trance / Hypnose“ von Hühnern anzuschauen. Wenn man ein Huhn oder einen Vogel auf den Rücken legt, dann bleibt dieser für ca. 30 – 120 Sekunden ganz starr auf dem Rücken liegen. Es wird von der Schreckstarre gesprochen – fälschlicherweise. Das Gleichgewichtszentrum eines Huhns enthält eine sehr zähe Flüssigkeit. Wenn ein Huhn plötzlich auf den Rücken gelegt wird, dann funktioniert das Gleichgewichtszentrum nicht, weil diese Flüssigkeit höher Viskosität erst wieder in Position fließen muss. Die darauffolgende Starre ist ein Schutzmechanismus der Natur. Denkbar ist es, dass bei dem Kaninchen ein ähnlicher Vorgang im Gleichgewichtszentrum abläuft wie bei einem Huhn. Uns Menschen wird es schwindelig, wenn wir uns schnell im Kreis herumdrehen. Danach ist es schwierig gerade zu laufen. Ein umhertorkelndes Huhn oder Kaninchen, würde nur ein Raubtier auf sich aufmerksam machen. Die auftretende Starre bei Kaninchen ist also keine Schreckstarre, sondern die natürliche Art sich zu immobilisieren um Feinde nicht auf sich aufmerksam zu machen, und um Verletzungen zu vermeiden. Schon ein einzelner Sprung eines schwindeligen Kaninchens könnte eine tödliche Verletzung (Knochenbruch) zur Folge haben. Sobald die viskose Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan wieder in Position ist, springt das Kaninchen auf, als sei nichts gewesen.

Diese sogenannte „Trance“ ist ein idealer Zustand um die Krallen eines nervösen Kaninchens zu schneiden. Legt man das Kaninchen also auf den Rücken, wartet ab bis es sich wieder umdreht, um es dann mit einem Lekkerli zu belohnen, dann wird dies auch viel weniger mit einem negativen Erlebnis verbunden. Was viel schlimmer ist, wenn Sie das Kaninchen bei der Krallenpediküre verletzen, weil es nicht stillhalten will. Achten Sie mal drauf, mancher Tierarzt macht genau dies, und Sie wundern sich nur, warum das Tier zuhause nicht auch so stillhalten will.

Natürlich ist es dem Tier unwohl in dieser Position. Es bekommt alles mit, ist aber offensichtlich nicht in der Lage sich groß zu bewegen. Wenn dann noch ein Haufen schreiender Kinder umher rennen, oder sich über das Kaninchen beugen, dass ist dies ein absolutes Horrorszenario für das Tier. Es könnte sich buchstäblich zu Tode erschrecken. Sie zwingen dem Tier gewissermaßen eine absolut verletzliche Postion auf. Gehen Sie verantwortlich mit diesem Wissen um! Bitte lassen Sie es, wenn das Kaninchen danach panisch flüchtet!

Die Krallenpediküre: Die Krallen müssen – je nach Untergrund auf welchem das Kaninchen aktiv ist, monatlich geschnitten werden. Achten Sie darauf, nicht die Ader in der Kralle anzuschneiden. Der Schnitt erfolgt 6 – 7 mm vor der Ader in der Kralle. Sollten Sie diese Ader mal versehentlich anschneiden, dann kann es zu einer relativ starken Blutung kommen. Diese wird am besten gestoppt, indem man die blutende Kralle in Mehl drückt. Dies führt zu einer Verklumpung an der Kralle – die Blutung wird nach wenigen Minuten gestillt.

Tollwut: Sollten Sie mal gerne einen Zweig z.B. Apfelzweig an einem Baum abschneiden, dann machen Sie dies bitte auf einer Höhe von über zwei Metern. Denn Füchse stellen sich auch gerne mal auf die Hinterbeine um auch an die Früchte zu kommen. Zwar ist die Gefahr der Ansteckung von Tollwut bei Kaninchen sehr gering, doch mal will ja nichts riskieren.

Blut im Urin?: Sollten Sie Ihren Kaninchen eine kräftige Portion Löwenzahn verfüttert haben, kann es zu rötlichem Urin kommen. Es besteht also kein Grund zur Sorge.

Schlechte Verdauung: Ein Kaninchen kann nicht erbrechen. Wenn also etwas im Verdauungstrakt nicht stimmt, dann ist dies ein sehr ernstzunehmendes Problem. Wenn die Verdauung zum erliegen kommt, dann ist dies akut lebensgefährlich. Ein typisches Problem liegt darin, wenn Haarbälle mit geschluckt werden, und den Verdauungstrakt verstopfen. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann teilweise Abhilfe bieten. Und natürlich wenn man das Kaninchen regelmäßig bürstet. Sollte dies vorkommen, dann suchen Sie sofort einen Tierarzt auf. Ob Ananas nun hilft – das ist umstritten. Futter welches in der Vergangenheit Durchfall hervorgerufen hat, kann auch eine Abhilfe bringen. Viel Heu ist einfach wichtig, weil es das Volumen des Darminhaltes steigert. Und natürlich viel Bewegung ist wichtig - dies fördert die Verdauung.

Fette Kaninchen: Ein fettes Kaninchen ist nicht nur äußerlich fett, sondern das Fett haftet auch an den inneren Organen. Dieses Fett kann auf den Magen und die weiteren Verdauungsorgane drücken – und die Verdauung drastisch verlangsamen. Dies kann zum Tod des betroffenen Kaninchens führen. Weiterhin haben dicke Kaninchen oft Probleme mit der Blase – das Wasser lassen wird zunehmend schwieriger. Sedimente können sich in der Blase bilden – oder auch Blasensteine. Es ist daher sehr wichtig das typische Gewicht Ihrer Kaninchenrasse zu kennen, und den oberen Wert nicht zu überschreiten.

Weiterhin: Dicke Kaninchen haben Mühe den eigenen Popo zu erreichen. Und die lebensnotwendigen Kotbällchen können nicht gleich abgefangen und gefressen werden, bevor diese auf den Boden fallen. Auch wenn dicke Kaninchen teils knuffig aussehen – Sie tun dem Tier damit keinen Gefallen.

Baden – Shampoo: Kaninchen sind haben teilweise einen absoluten Horror vor Wasser. Ein nasses Kaninchen braucht auch eine Weile bis es trocken ist. Unterkühlt es in dieser Zeit, kann dies zum Tod führen. Ist ein Bad aber notwendig, dann brauchen Sie bitte warmes Wasser und Kaninchenshampoo. Auf keinen Fall Hunde oder Menschenshampoo nutzen. Ein Haartrockner kann genutzt werden um das Kaninchen zu trocken. Deswegen ist es sinnvoll den Haartrocker mal spielerisch vorzustellen, ohne das Bad. Genau so sinnvoll ist es ein lekkeres Bananenstück zu verfüttern, wenn das Kaninchen gerade in der Badewanne ist, oder der Haartrockner in einer Trockenübung vorgestellt wird.

Bürsten: Das Bürsten kann zu einer geliebten Beschäftigung für das Kaninchen werden. Oder auch zum absoluten Horror. Nutzen Sie eine weiche geeignete Bürste. Kombinieren Sie dies mit Lekkerlis. Es ist wichtig, überflüssige Haare zu entfernen. Denn sonst landen diese während dem Putzvorgang schnell im Magen des Kaninchens. Dies kann zur Verstopfung und damit zum Tod führen. In der Regel legen sich Kaninchen flach auf den Boden um gebürstet zu werden. Nutzen Sie niemals eine Schere. Leicht schneidet man in die Haut des Kaninchens.

Ohren putzen: Ohrendreck kann mit Wattestäbchen entfernt werden. Ist der Dreck fleckig, könnte es sich um Ohrenläuse handeln. Eine Ohrinfektion wird oft daran erkannt, dass das Kaninchen den Kopf schief hält. Es gibt auch andere Gründe dafür, z.B. eine Kopfverletzung. Übermäßiges Kratzen an einem Ohr muss also sehr ernst genommen werden. Kaninchen mit Hängeohren haben tendenziell mehr Probleme mit Ohrinfektionen. Diese sollte auf keinen Fall zum Mittelohr vorwandern, und eine schiefe Kopfhaltung hervorrufen.

Zähne überprüfen: Gerade Zähne sind überlebensnotwendig für Kaninchen. Ein erwachsenes Kaninchen hat 28 Zähne: 22 Backenzähne und 6 Schneidezähne. Durch regelmäßiges Knabbern werden die Zähne auf die richtige Länge getrimmt. Eine falsche Zahnstellung kann dazu führen, dass ein Kaninchen nicht richtig fressen kann, und buchstäblich verhungert. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Die Zahnfehlstellungen kommen bei Zwergkaninchen öfter vor.