Der Tierarzt und Ihre Kaninchen

Wenn Sie mal zum Tierarzt gehen müssen, ist es sinnvoll ein weiteres gesundes Tier mitzunehmen. Immerhin sind Kaninchen Herdentiere, und ein weiteres Tier kann einen beruhigenden Effekt auf das kranke Tier haben.

In der Regel ist man bei einem Tierarztbesuch etwas nervös. Notieren Sie sich vorher folgende Daten. Noch besser ist es ein Kaninchenbuch zu führen. Und zwar handschriftlich und nicht am PC mit folgenden Informationen:

  • Name, Gewicht, vorangegangene Erkrankungen, Beobachtungen, eigene Heilversuche, verabreichte Medikamente

Beim Tierarzt aufschreiben, denn zuhause vor dem PC ist die Hälfte schon vergessen

  • Diagnose, Wirkungsweise von Medikamenten, typischer Krankheitsverlauf, abgenommene Proben,

Tierarztbesuche: Irgendwie muss ein Kaninchen auch zum Tierarzt gebracht werden. Doch wenn ein Kaninchen die Transportbox oder Leine mit dem Schmerz beim Tierarzt verbindet, dann wird der Tierarztbesuch zum Stress für alle Parteien. Deshalb ist es wichtig die Transportbox oder die Leine dem Kaninchen als ein ganz normalen Gegenstand vorzustellen. Dass z.B. ein Leckerbissen damit verbunden wird. Es kann auch nicht schaden mal das Kaninchen auf eine Spazierfahrt mitzunehmen. Damit wird das Autofahren auch nicht unbedingt mit dem Schmerz beim Tierarzt verbunden. Am besten ist es, wenn die Transportbox, die Leine und das Auto mit einem positiven Erlebnis verbunden wird.

Impfungen:

Myxomatose (Kaninchenpest) Impfung: Diese Impfung wird am besten im März/April gemacht – kurz bevor die Mückenzeit anfängt. Die Impfung hält dann ein halbes Jahr. Danach folgt die nächste Impfung – zumindest bei Tieren die draußen leben. Natürlich soll das Tier sich zur Impfung in einem gesunden Zustand befinden. Die Krankheit verläuft für Kaninchen in der Regel zu 80% tödlich. Die Impfung erfolgt in das Fettgewebe oder direkt in das Ohr. Es ist ein Lebendimpfstoff. In den 50er Jahren wurde dieser Erreger in England eingesetzt, um die wilden Kaninchenbestände zu reduzieren.

RDH / Chinaseuche: Diese Impfung erfolgt jährlich. Bei dieser Krankheit stirbt das Tier an inneren Blutungen an Eingeweiden, Lunge und Harntrakt. Die Seuche wurde in Australien eingesetzt, um den Kaninchenbestand (welcher nicht einheimisch ist) zu reduzieren. Es ist war meldungspflichtige Krankheit. Kann vom Menschen übertragen werden, wenn während er mit kranken und gesunden Tieren hantiert. Der Virus ist zäh und langlebig.


Menschen können sich nicht mit RDH oder Myxomatose anstecken.

Gefahr für den Menschen kann durch Salmonellen entsehen. Deshalb ist es wichtig sich die Hände zu waschen, wenn ein Kaninchen diese freundschaftlich abgeleckt hat. 

Gefahr – Amoxicillin: Dieses Medikament sollte kein Kaninchen verabreicht bekommen. Dadurch werden die im Darm befindlichen guten Bakterien getötet, und kann somit den Tod des Kaninchens mit sich ziehen. Amoxicillin ist pink und riecht nach Kaugummi. Medikamente für Kaninchen sind Chloromycetin / Chloramhenicol  / Tetracycline etc. (alle Angaben ohne Gewähr). Antibiotika sind immer ein sehr starker Eingriff in einen Organismus. Finger weg – dies ist die Aufgabe eines Tierarztes.

Spätestens wenn Ihr Tierarzt Amoxicillin verabreichen will, sollten Ihre Alarmglocken angehen. Warum die Erwähnung? Dieses Medikament wird erfolgreich bei anderen Haustieren genutzt.

Genau deshalb ist es so wichtig einen guten Tierarzt zu finden. Am besten ein Tierarzt, der auch täglich Kaninchen behandelt, und die aktuellen Medikamente kennt.

Kokzidiose: Die Kokzidiose ist eine parasitäre Erkrankung eines Kaninchens. Kokzidien sind Einzeller, die sich in der Darmschleimhaut festsetzen, oder auch in den Gallengängen. Die Leber wird auch in Mitleidenschaft gezogen. Nach weiterer Entwicklung werden diese dann im Kot ausgeschieden. In der Einstreu reifen die sogenannten Oocysten heran und können junge Tiere infizieren.

Für Kaninchen besteht die Gefahr, dass die Darmschleimhaut beschädigt wird, und die Verdauung nicht mehr richtig funktioniert. Das Kaninchen bläht unter Umständen auf, da sich Gase bilden. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt um ein Gegenmittel zu bekommen. Reinigen Sie den Stall und Futternäpfe peinlichst genau.

E.cuniculi: Es handelt sich hier um einen eigentlich recht einfachen Parasiten. Doch der Krankheitsverlauf ist oft tödlich. Die Problematik liegt in Diagnose. Nicht immer sind alle Symptome zu sehen, was schnell zu einer Fehldiagnose kommt. Ist ein Tier angesteckt, kann innerhalb weniger Tage der ganze Stall eingehen.

Typische Anzeichen sind:

  • Schiefer Kopf
  • Teillähmungen
  • Rasseln in den Lungen
  • Nasenausfluss
  • Blähungen

Panacur und Vitamin B Komplexe sollten natürlich nur unter tierärztlicher Behandlung verabreicht werden.

Durchfall

Durchfall ist eine ernsthafte Erkrankung. Wie schon erwähnt fressen Kaninchen die eigenen Kotbällchen um die notwendigen Bakterien wieder in den Verdauungstrakt zu bekommen. Bei dem Durchfall werden diese Bakterien ausgeschieden, aber das Kaninchen frisst die Kotkügelchen nicht. Wichtig sind daher viele Ballasstoffe – Heu ist hier sehr wichtig. Zuviele Früchte können zu Durchfall führen. Es kann aber auch ein Bandwurm oder andere Würmer dafür verantwortlich sein. Oder auch eine Infektion durch Colibakterien. Im Regelfall hat es mit einer zu schnellen Umstellung des Futters zu tun. Viel Bewegung verhilft zu einer besseren Verdauung.

Wenn ein Kaninchen krank wird, dann ist dies oft an kleinen Veränderungen zu erkennen, die ein Kind in der Regel übersehen wird. Z.B. Veränderungen im Appetit oder in der Konsistenz des Kots. Eine beschädigte Darmflora kann sehr schnell zum Tod führen. Sie müssen – auch wenn die Tiere Ihren Kindern gehören – immer ein wachsames Auge auf die Tiere halten.

Flöhe

Die Behandlung ist recht einfach. Ein Gang zum Tierarzt kann Abhilfe schaffen. Nach der Behandlung sollte das Tier alleine gehalten werden – für ca. 1 bis 2 Tage. Somit wird verhindert, dass andere Kaninchen das giftige Mittel bei der Fellpflege ablecken. Zwischen den Schulterblättern wird das Mittel aufgebracht – das behandelte Kaninchen kann das Mittel also selber auch nicht ablecken. Natürlich müssen alle Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen etc.) gleichzeitig behandelt werden.

 

Haarbälle im Verdauungstrakt

Man erkennt dies durch Köttelketten. Wenn also die Kotbällchen aneinander hängen. Gegenmittel sind manchmal nicht leicht zu verabreichen. Entweder mit einer Futterspritze, oder einfach auf die Nase oder Pfoten des Kaninchens tröpfeln. Es wird diese ablecken um sich zu reinigen. Eine Verstopfung ist sehr ernst zu nehmen.

 

P.S. Bin kein Tierarzt. 

Sterilisation oder nicht?

Es gibt gewisse Vorteile, die mit einer Sterilisation / Kastration einhergehen:

  • Ein kastriertes Kaninchen markiert sein Revier viel weniger oder auch gar nicht mehr. Die gelben Flecken, die hinterlassen werden, gehören somit vielleicht sogar der Vergangenheit an. Besonders ungeschickt sehen die Flecken an der Wand aus.
  • Ein kastriertes Kaninchen wird nach einer Kastration oft viel ruhiger.
  • Revierstreitigkeiten können deutlich nachlassen.
  • Man muss sich keine Sorgen um unerwarteten Nachwuchs machen.
  • Ein unkastrierte Rammler kann auf die Idee kommen sich mal an Ihren Füßen oder einem Stofftier zu vergnügen. Besonders hygienisch ist das nicht.
  • Die Tiere werden schmusiger und zeigen weniger Dominanz.

Im Alter von ca. 4 Monaten sind die Kaninchen geschlechtsreif. Es gibt zwei Arten der Kastration bei Rammlern: Die normale Kastration die im Alter von 4 – 5 Monaten gemacht wird, und die Frühkastration. Bei der Frühkastration wird das Männchen nie geschlechtsreif und muss somit auch nicht von den Weibchen getrennt werden. Der Tierarzt sollte damit Erfahrung haben – Ihr Kaninchen sollte nicht zum Versuchskaninchen werden.