Training

„Negative“ Verhaltensmuster von Kaninchen

Als erstes ist Ihre Beobachtungsgabe gefragt. Welche Situationen bringen ein aggressives Verhalten mit sich. Und dann überlegen Sie sich, warum sich ein Kaninchen so unerzogen benimmt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt ein aggressives Verhalten daran, dass ein Kaninchen Angst hat. Wenn sich z.B. 5 Kinder über einen Kaninchenkäfig beugen, dann kommt dies den Flügelschatten eines Raubvogels direkt über dem Käfig doch schon ganz nahe.

Schlagen Sie ein Kaninchen niemals. Dass passt nicht in die Kaninchensprache. Vor allem ist der Knochenbau so delikat, dass Sie sehr schnell das Kaninchen schwer verletzen. Und selbst wenn es zu keinen Verletzungen kommt, das Vertrauen wird dadurch sicherlich nicht aufgebaut.

Hunde gehen einander an die Gurgel. Die ist auch ein sehr effektives Erziehungsmittel, wenn man einen unartigen Hund an den hängenden Haut am Hals packt (anstatt zu schlagen) um diesen zu erziehen. Dabei geht es nicht darum dem Hund die Luft abzuklemmen. Sonder darum in Hundesprache zu kommunizieren – der Hund versteht dies. Ein Kaninchen zwickt mit den Zähnen, und versteht es wenn Sie die Hand auf den Kopf legen – so wird Dominanz in der Kaninchensprache gezeigt.

(Kaninchen berammeln sich um Dominanz zu zeigen, auch Weibchen tun dies!) Nun rate ich nicht dazu ein Kaninchen in den Po zu zwicken (nicht kneifen) oder zurück zu beissen, doch ein liebevolle Zwacken in den Kaninchenpopo kann auch hilfreich wenn Ihr Hoppel sich gerade an einen Bastkorb heranmacht. Doch wenn Sie gerade mal gebissen wurden, dann wird Ihr Zwicken in den Kaninchenpopo sicherlich zu hart ausfallen weil Sie aufgebracht sind - und das Kaninchen verletzen. Lassen Sie es einfach, die Gefahr das Tier zu verletzen ist zu groß, besonders wenn die Kinder es nachmachen.

 

Ihr Kaninchen beißt Sie beim Füttern in die Hand.

Dies liegt wahrscheinlich daran, dass das Kaninchen nicht weiß ob Sie das Futter gleich wieder wegnehmen. Einfach nicht das Kaninchen um das Futter betteln lassen, und den Leckerbissen sofort hinlegen. Wenn Sie regelmäßig zur gleichen Zeit füttern, dann lernt das Tier wann die Fütterungszeit ist. Oder es hält Ihren Finger für einen Teil der Karotte. Das kann eventuell an der Kurzsichtigkeit von Kaninchen liegen. Einfach längere Möhren  hinhalten.

Sie haben ein absolut liebes Kaninchen, bis Sie in den Käfig hereinfassen. 

Sie greifen hier in die territoriale Schutzzone des Kaninchens ein. Also zerren Sie das Kaninchen nicht raus. Locken Sie es raus, oder warten Sie bis es von alleine rauskommt. Wenn dies ein Problem ist, dann kann man dem Kaninchen beibringen, dass es Futter bekommt wenn es aus dem Käfig herauskommt. Nach einigen Wochen ist es eventuell möglich in den Käfig zu fassen. Dicke Lederhandschuhe aus dem Baumarkt sind da sinnvoll. Wird es unruhig dann legen Sie die Hand auf den Kopf und reden Sie ruhig mit Ihm. Wenn Spielzeug im Käfig ist, dann gehört dies dem Kaninchen und nicht Ihnen! Sie wollen auch nicht Ihre Zahnbürste mit anderen Menschen teilen! Fassen Sie über mehrere Tage hinweg in den Käfig und sprechen Sie sanft. Aus dem Biss wird eventuell ein liebvoller Nasenstubser. Warum die Hand sanft auf den Kopf legen? Damit zeigen Sie, dass Sie Chefkaninchen sind, und übrigens sind die scharfen Zähne dort ein bischen weiter weg von Ihren Fingern. Letztendlich ist der Käfig das Territorium des Kaninchens.

Sie kommen ins Zimmer, und Ihr Rammler kreist um Sie herum und zwickt Sie in die Knöchel. Oder er attackiert Ihre Meerschweinchen oder das Heu in der Ecke.

Die Hormone spielen verrückt. Sie können hier nicht helfen. Es handelt sich hier um die klassischen Zeichen eines sexuell frustrierten Kaninchens. Eine Kastration kann hier deutliche Abhilfe schaffen.

Es wird am Teppich oder irgendeiner Bastmatte rumgeknabbert, und wenn Sie dies stoppen wollen, dann werden Sie in die Hand gezwickt.

Mit dem Zwicken will Ihr Kaninchen Ihnen zu verstehen geben, dass Sie im Weg sind. Legen Sie die Hand auf den Kopf um zu zeigen wer Chef ist. Wird immer wieder an der gleichen Stelle geknabbert, kann es sinnvoll sein ein paar Tropfen Essig an der Stelle zu lassen. Dies kann Wunder wirken, da Kaninchen darauf gar nicht so scharf sind.

Ein absolut bösartiges Killerkaninchen

Überlegen Sie mal warum ein Kaninchen sich bösartig verhält. Wurde es mal von Kindern durch die Käfigstäbe gepiekst? Oder vom Vorbesitzer geschlagen? Mal dumm in der Tür eingeklemmt? Hat sich die Katze oder der Hund – natürlich des Vorbesitzers – nächtelang vor dem Käfig auf die Lauer gelegt? Wurde das Tier mal von einem Hund durch die Gegend gejagt? Oder sind Sie unberechenbar? Haben Sie das Tier mal geohrfeigt als es Sie gezwickt hat?

Ziehen Sie Schutzkleidung an. Wenn Sie gebissen werden, dann quietschen Sie auch mal „Aua“, so dass das Kaninchen weiß dass es Ihnen weh getan hat. Sie müssen jetzt erst mal zeigen, dass Sie es wert sind, dass man Ihnen vertraut! Aber fuchteln Sie nicht mit den Armen in der Gegend rum. Warum sollte Ihnen den ein Fluchttier vertrauen? Ihre Aufgabe ist es das Weltbild des Kaninchens wieder in Ordnung zu bringen. Das geschieht mit Geduld, Vertrauen und Zuneigung. Das kann durchaus ein paar Wochen und Monate dauern. Es kann zum Beispiel helfen, wenn Sie immer ein bestimmtes Wort sagen wenn Sie ins Zimmer gehen oder sich dem Stall nähern. Somit ist das Tier vorgewarnt, und kann sich verstecken. Es kann zu einem richtigen Erfolgserlebnis werden, die Charakterveränderung eines Tieres mitzuerleben, weil man Zuneigung zeigt. Und gerade für Kinder kann dies einen sehr wertvollen pädagogischen Hintergrund mit sich bringen. „So wie man in den Wald hereinruft, kommt es zurück!“ Positive Bestärkung ist wichtig, um das Kaninchen zu bestärken. Denn negatives Verhalten Ihrerseits wird von dem Kaninchen oft mit einem leicht unvergebenden, rachsüchtigen Verhalten bestraft.

 

Wenn Kaninchen kämpfen

  1. Es gibt Rangstreitigkeiten. Genau deswegen sollte man nicht zwei unkastrierte Männchen in einem Käfig haben. Wenn zwei Kaninchen sich in einem kleinen Käfig bekriegen, fehlt dem schwächeren Kaninchen der Platz um sich zurück zu ziehen. Dabei sind die Kaninchen nicht zimperlich. Mit den Vorderpfoten oder den Zähnen wird der Gegner gepackt, und mit den Hinterfüßen, wird auf den Gegner eingetreten. Die scharfen Krallen können sogar den Bauch des Gegners aufschlitzen. Genau diese Methode nutzen auch Leoparden wenn diese mit einem Pavian kämpfen. Mit den Hinterbeinen wird die Bauchgegend des Pavians aufgerissen, um diesen tödlich zu verletzen.

  1. Es wird gekämpft aus Spaß an der Freude. Glückliche Kaninchen balgen miteinander. Die Spielkämpfe sind ganz besonders für junge Kaninchen wichtig, um die Körperkoordination zu verbessern. Damit wird sich auf zukünftige Rivalenkämpfe vorbereitet, oder um auf der Flucht vor einem Raubtier besonders wendig zu sein.

Ein stubenreines Kaninchen

Nutzen Sie das natürliche Verhalten von Kaninchen um diese stubenrein zu bekommen. In der freien Natur nutzen Kaninchen sogenannte Mulden als Gemeinschaftstoiletten. Dies dient neben hygienischen Aspekten auch zur Markierung eines Reviers. Man findet also Mulden mit Tausenden von Kotbällchen. Es ist also eine natürliche Eigenschaft, dass Kaninchen die Häufchen an ein oder zwei Stellen deponieren.

Wenn Sie also eine Katzentoilette als Kaninchentoilette nutzen, dann ist dies gar nicht so abwegig. Beziehungsweise ist dies dem Wesen eines Kaninchens auch nicht fremd. Ein junges Kaninchen lernt von den älteren Kaninchen wo es hin zu kacken hat. Und Ihre Aufgabe ist es, als das ranghöhere Kaninchen, diese Aufgabe zu übernehmen.

Wichtig: Bestrafung mit Schmerz ist keine gute Idee bei Kaninchen. Diese haben gewissermaßen ein Elefantengedächtnis und sind manchmal etwas nachtragend. Daher ist es viel sinnvoller das richtige Verhalten zu belohnen.

Das Toilettentraining fängt im Käfig an. Stellen Sie ein Kaninchenklo an die Stelle wo das Kaninchen sein Geschäft erledigt. Wenn das Kaninchen woanders sein Geschäft erledigt, dann stellen Sie die Box dort auf. Wenn es in dem Käfig klappt, dann darf das Kaninchen auch in den Raum. Locken Sie das Tier mit viel Lob immer wieder zum Kaninchenklo. Beobachten Sie das Tier wenn es bereit ist das Geschäft zu machen. Bringen Sie es dann zum Kaninchenklo. Sobald das Geschäft gemacht ist, wird es mit Lob überschüttet. Wenn das Kaninchen immer woanders hinmacht, dann ist dies die Art des Kaninchens zu sagen, dass das Klo dorthin muss. Genau der gleiche Ablauf wie innerhalb des Käfigs. Versetzen Sie einfach das Kaninchenklo. Eventuell müssen Sie erst mal 2 oder 3 Kaninchentoiletten aufbauen, um mit der Zeit die Zahl zu reduzieren. Kaninchen haben wirklich nichts dagegen während des Geschäftes auch mal ein Lekkerli zu bekommen.

Wenn Sie nicht erkennen, wann das Kaninchen sein Geschäft erledigen will, dann ist es wichtig feste Fütterungszeiten zu haben. Nach ein paar Wochen der Beobachtung, werden sie sicherlich die Körpersprache so lesen können, dass Sie sehen wann Ihr Kaninchen mal muss. Es erleichtert das Training.

Möglicherweise ist ein überdachtes Kaninchenklo sinnvoll. Besonders wenn das Kaninchen gerne buddelt. Manchmal dauert es ein bischen – nur nicht aufgeben. Sobald das Kaninchen in dem einen Raum stubenrein ist, darf es in einen weiteren Raum gehen.

Zwicken:

Dem Kaninchen ist nicht bewusst wie hart es zubeißt. Wenn Sie beispielsweise das Kaninchen auf dem Schoß haben und es streicheln, und dann abgelenkt werden, kann es sein dass Sie gezwickt werden. So als Erinnerung dass Sie weiter streicheln sollen. Quietschen Sie laut, aber nicht zu laut. Sie werden merken, dass das nächste Zwicken viel weniger hart ist. Fahren Sie mit diesem Training fort, bis der Biss keinen Schmerz mehr hervor ruft.

Es geht ja auch darum dem Kaninchen klar zu machen, dass Sie das Chefkaninchen sind. Sie sitzen beispielsweise auf dem Sofa und das Kaninchen springt hoch, und zwickt Sie um Ihnen den Platz streitig zu machen. Sie sollten quietschen (um den Schmerz zu zeigen) und dann das Tier auf den Boden befördern. Wenn es wieder hochspringt und Sie nicht zwickt, dann hat es gelernt, dass es die Couch mit Ihnen teilen darf. Zwickt es wieder, dann wird es wieder auf den Boden befördert. Bleibt das freche Verhalten, muss es für ein paar Minuten in den Käfig. Wenn es wie ein kleines Kind einen Temperamentsaufbruch hat, dann ist das nicht mal ein so schlechtes Zeichen. Sie sind inmitten eines Dominanzkampfes.

Der Käfig ist gewissermaßen die letzte Schutzzone des Kaninchens. Natürlich müssen sie freches Verhalten nicht tolerieren. Aber es braucht auf Verständnis Ihrerseits, wenn Sie einfach in den Käfig hineingreifen – und keine Fluchtmöglichkeit für das Kaninchen besteht. Sie stellen das Tier jetzt vor instinktive Grundverhaltensweisen: Angriff oder Flucht. Die Flucht ist nicht möglich, da bleibt nur die andere Möglichkeit – der Biss in Ihre Hand.

Wenn Sie z.B. vor dem Reinigen das Kaninchen mit einem Leckerbissen in einem anderen Raum locken, dann sparen Sie sich schon viel Ärger. Lassen sie dem Kaninchen den letzten Freiraum im eigenen Käfig, ganz besonders wenn es sich um einen der kleinen handelsüblichen Käfige handelt. Ein bischen Leben und Leben lassen in Ihre Lebensphilosophie, und vieles ist schon einfacher. Vertrauen aufbauen, mit Handschuhen in den Käfig fassen, und nach einigen Wochen kann es schon ganz anders aussehen. Es geht hier auch um Machtansprüche, also nicht immer klein beigeben. Denn wenn das Kaninchen eindeutig untergeordnet ist, dann wird das Leben für beide Seiten leichter. Letztendlich wollen Sie ja nicht nur der Dosenöffner in der Wohnung des Kaninchens sein.