Was Sie über die kostenlose organische Suchmaschinenoptimierung wissen sollten…

Erfahren Sie:

Punkt 2: Was kostet Sie Suchmaschinenoptimierung pro kostenlosen Webseitenbesucher?

Punkt 3 & 4: Was Sie über die personalisierte Suche wissen sollten, wenn Sie jemanden mit Ihrer SEO beauftragt haben.

  • Kurz vorweg: Wenn ich hier von Suchmaschinenoptimierung (SEO) spreche, dann meine ich die kostenlosen Suchergebnisse, welche von Google angezeigt werden. Es geht in diesem Artikel also nicht um die bezahlte Werbung via Google AdWords.

1. Noch vor wenigen Jahren war es die Strategie überhaupt, mit sehr gutem kostenlosem Content, also Webseiteninhalten, Besucher anzulocken. Man hat immer mehr Content geschaffen, um so noch mehr Besucher anzulocken. Nur hat sich die Anzahl der Webseiten so enorm gesteigert, dass sich jetzt der Traffic auf viel mehr Webseiten verteilt. Denn die Anzahl an Nutzern, die den Traffic generieren, steigt ja kaum noch an, die Zahl der Webseiten aber schon.

Wenn eine einfache Webseite im Jahr 2002 z.B. noch 1000 Besucher pro Woche bekommen hat, dann wird eine vergleichbare Webseite heute nur noch einen Bruchteil davon bekommen, z.B. 50 – 100 Besucher pro Woche. Einfach weil sich der Traffic in den einzelnen Marktnischen auf viel mehr Seiten verteilt.

Jetzt ist die Idee bei der Suchmaschinenoptimierung, dass man mit noch relevanteren Inhalten noch mehr Besucher von Google geschenkt bekommt. Das Problem ist aber, dass diese Vorgehensweise nicht wirklich skalierbar ist. Wenn Sie z.B. in zwei Wochen 3 Mal mehr Traffic haben wollen (z.B. Weihnachtsgeschäft wo die Kunden in Kauflaune sind), dann hat die Suchmaschinenoptimierung keine Chance.

  • Die Suchmaschinenoptimierung ist somit nicht skalierbar. Keine Frage, sie ist sinnvoll und wichtig, aber nicht als alleiniges Fundament.

2. Wie sinnvoll sind Ihre SEO-Aktivitäten wirklich?

Schauen Sie sich doch einfach mal an, welches Traffic-Volumen Ihnen von Google über die letzten 12 Monate geschickt wurde. Also Traffic der durch kostenlose Suchmaschinenergebnisse auf Ihre Webseite gekommen ist. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen, dass die Anzahl dieser Besucher über die letzen 12 Monate hinweg jeden Monat nahezu gleich war. Was sehr stark darauf hin deutet, dass ein bestimmtes Trafficvolumen pro Webseite zugelassen wird. Wenn das so ist, dann stellt sich die ernste Frage, was Ihre SEO-Aktivitäten der letzten 12 Monate wirklich gebracht haben?

Tipp: Schauen Sie sich an, was Sie für SEO ausgegeben haben, und dann was Sie an Extra-Traffic in den letzen 12 Monaten bekommen haben. Dann teilen Sie Kosten für SEO / Anzahl neue Besucher. So erhalten Sie grob die Kosten pro „kostenlosen“ Webseitenbesucher die via SEO entstanden sind. Möglicherweise landen Sie bei Kosten pro Webseitenbesucher via SEO bei 20 bis 100 Euro und mehr!!! Dagegen sind Google AdWords Klicks in der Regel ein ziemliches Schnäppchen.

Wie gesagt, SEO ist wichtig, aber kein alleiniges Geschäftsfundament. Die planbare Skalierbarkeit ist schlichtweg nicht gegeben.

3. Noch etwas, was die Welt der Suchmaschinenoptimierung ins Schleudern bringt.

Und zwar die personalisierte Suche.

Wenn ein kostenloses Suchergebnis bei Ihnen auf den Bildschirm auf Platz 1 ist, dann bedeutet dies noch lange nicht, dass dieses gleiche Suchergebnis bei jemand anders auch auf Platz 1 ist. Es könnte sogar auf Platz 57 sein. Das heißt, wenn Sie eine Seite für ein bestimmtes Keyword optimieren, und Ihre Seite dann ganz oben bei Google für dieses Keyword anzeigt wird, dann ist das bei anderen Nutzern nicht unbedingt so.

Und zwar hängt das von Ihrem Nutzerprofil ab. Und dieses Nutzerprofil hat mit der Historie Ihrer Suchanfragen zu tun, und wie Sie mit diesen Suchanfragen interagiert haben. So dass Google Ihnen noch relevantere Ergebnisse bei der nächsten Suche liefern kann. Der Algorithmus ist also gleich, doch wie die Ergebnisse gefiltert werden, ist nutzerabhängig. Im Prinzip wird die Reihenfolge der Suchergebnisse je nach Nutzer (z.B. erkennbar über die IP-Adresse des Rechners & Cookies, und nicht mehr nur über ein Google-Account) verschieden angezeigt. Ein Google-Account ist also nicht mehr notwendig – alle Suchen sind personalisiert. (Ist ausschaltbar, aber wer weiß das schon…)

  • Das ist ja auch worin Google die eigene Aufgabe sieht: Herausfinden was Sie genau wollen, um Ihnen möglichst relevante Suchergebnisse zu zeigen. Denn dass ist ja auch die Existenzberechtigung von Google, relevante Suchergebnisse zu liefern.

Typischerweise funktioniert aber SEO so: Man schaut sich für ein Top-Keyword die besten 5 oder 6 Webseiten an, der Links und Inhalte, und analysiert was man ähnlich machen kann, um auch auf einer Top-Position zu langen.

Das Problem?

Mit der personalisierten Suche, wissen Sie gar nicht, welches wirklich die besten 5 – 6 Seiten für genau das Keyword sind. Denn die 5 – 6 Top-Seiten die bei Ihnen angezeigt werden, werden bei anderen Nutzen nicht auch genau dort angezeigt. Das heißt, dass jetzt möglicherweise die Seite auf Platz 57 als Optimierungsmaßstab gilt, weil diese bei Ihnen gerade auf Platz 1 angezeigt wird. Nicht gut!

4. Durch die personalisierte Suche gibt also gar nicht mehr diese absolute Position 1 für ein Keyword.

Das macht die eigenen SEO-Aktivitäten weitgehend zum Blindflug, weil man nicht wirklich weiß, welches die Nummer 1 Seite für ein bestimmtes Keyword ist.

Mehr wirklich relevanter Content, ist schon mal ein guter SEO-Ansatz. Denn Google will ja relevanten Content liefern. Und welches Umfeld (auch Verlinkungen / qualitative Ankertexte von externen Webseiten) ihre Keywords haben. Welche Nachbarschaft Ihre Keywords haben (relevante Keywords) ist viel wichtiger als die Keyword-Dichte.

Eine Webseite mit relevantem Content wird von Google tendenziell ein besseres Ranking erhalten, als eine Webseite mit weniger relevantem Content. Wenn also die Suchergebnisse je nach Nutzer ein Position auf verschiedenen Positionen angezeigt werden, dann werden Seiten mit relevantem Content tendenziell weiter oben angezeigt. Wenn also ein Nutzer eine Suchanfrage macht, dann ist es wichtig in dem Pool der z.B. ersten 50 oder 100 Seiten zu sein, um dann aufgrund der Relevanz tendenziell weiter oben zu landen.

  • Ganz im Gegensatz zu „früher“, wo die Postionen ganz eindeutig und für alle Nutzer gleich waren.

Die personalisierte Suche ist also eine ganz gewaltige Änderung im Internet, die weitgehend übersehen wurde. Die große Gefahr liegt darin, nach alten Vorgehensweisen zu arbeiten. Denn dann werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Seiten auf den Seiten 1 – 5 zur Analyse herangezogen, die nur bei IHNEN auf dem Platz 1 – 5 sind. Die Gefahr zu verschlimmbessern ist also enorm, und mathematisch gesehen recht wahrscheinlich!

Holzauge sein wachsam!

Das Schlimme daran:

Während optimiert wird, sieht man wie das eigene Ranking hoch geht, eben weil Google dieses als relevant für Sie erkennt. Immerhin haben Sie ja auch schon mehrmals bei der Konkurrentenanalyse drauf geklickt. Und was erst auf Seite 5 war, ist plötzlich auf der ersten Seite zu finden. Das lässt sich einem Kunden dann auch sehr gut von einer SEO-Agentur verkaufen! Gerade weil es so gut aussieht. Doch nach nicht zu langer Zeit sieht man im Analytics-Account wie der Traffic abfällt. „Tja, da hat es wohl eine Änderung im Google-Algorithmus gegeben, hört man dann….“

Ich will hier keine bösen Absichten unterstellen, ich denke viele SEO-Agenturen arbeiten einfach noch nach alten Vorgehensweisen. Und haben noch gar nicht verstanden welche Auswirkungen die personalisierte Suche hat. Manch eine Super-SEO-Software ist womöglich gar nicht mehr so super…

  • Wenn Sie also für wichtige Keywords auf Platz 1, 2 oder 3 zu finden sind, dann bedenken Sie bitte, dass diese keine absoluten Plätze 1, 2 und 3 sind.

Ok, die personalisierte Suche hat dafür gesorgt, dass nicht jeder die gleichen Suchergebnisse bei einer Suche angezeigt bekommt.

5. Aber man kann ja noch Linkaufbau betreiben?!?

Man kann also für mehr Backlinks zur eigenen Seite sorgen.

Aber…

Personalisierte Links sind der nächste Schritt.

Das heißt: Die eingehenden Links zu einer Webseite zählen für den einen Nutzer (aufgrund seines Nutzerprofils) und für den nächsten Nutzer nicht! Eine Webseite wird als Suchergebnis für einen Nutzer als Folge der, für Ihn als Nutzer, relevanten Backlinks angezeigt, oder auch nicht. Das würde ganz viele Backlinkstrategien total unbrauchbar machen. Eine Patentanmeldung läuft jedenfalls…

  • (Genauso wie Google z.B. Hintergrundgeräusche bei Ihren Telefonaten analysieren könnte, um Ihnen so relevante Werbung zukommen zu lassen. Eine Patentanmeldung ist jedenfalls schon unterwegs.)

6. Das Schlimme ist, wenn man annimmt, dass eine Suchmaschine auf eine gewisse Art und Weise funktioniert, diese es aber nicht tut. Und wenn man bei den SEO-Aktivitäten also davon ausgeht, dass die Suchergebnisse absolut sind, und nicht relativ. Denn dann optimiert man anhand fehlerhafter Annahmen. Man riskiert anhand unkluger Optimierung das Trafficvolumen zu verkleinern.

7. Man muss sich auch die Frage stellen, ob man da wirklich weiß was man bei der Suchmaschinenoptimierung macht. Wenn man z.B. auf Platz 1 ist, und dann bloß die Finger weg hält, um dies nicht zu schädigen, dann bedeutet das ganz klar, dass man gar nicht weiß was man da eigentlich gemacht hat. Denn sonst würde man ja weiter daran arbeiten diese schwache Position 1 zu einer starken Position 1 zu machen, und diese zu festigen.

8. Wenn Sie also mit einer SEO-Agentur arbeiten, dann fragen Sie diese, wie mit der personalisierten Suche umgegangen wird. Mit den Infos in diesem Artikel sollten Sie recht schnell heraus finden, ob Sie Profis vor sich haben oder nicht. (Und bitte zeigen Sie denen diesen Artikel nicht, sonst bekomme ich mal wieder ausfällige Hassmails).

 

Fazit:

  • Prüfen Sie, ob sich das Trafficvolumen Ihres kostenlosen Traffics von Google in den letzten 12 Monaten drastisch geändert hat, oder gleichbleibend geblieben ist. Das würde möglicherweise auf eine Deckelung des Traffics pro Webseite hindeuten. Man kann sich aber dann genau so die Frage stellen, was die SEO-Aktivitäten der letzten 12 Monate dann wirklich gebracht haben. Rechnen Sie doch einfach mal wie in Punkt 2, die ungefähren Kosten pro kostenlosen Besucher aus, der via SEO-Aktivitäten entstanden ist.
  • Die Suchmaschinenoptimierung ist ein Bonus, kein alleiniges Fundament. Freuen Sie sich über den kostenlosen Traffic. Überlegen Sie sich mal wie viel die Content-Erstellung Sie in den letzten 6 - 12 Monaten gekostet hat, und was dabei an Extra-Traffic entstanden ist.
  • Denken Sie dran, dass sinnvolle SEO ein wichtiger Bonus ist, aber kein alleiniges Fundament. Freuen Sie sich über das was kostenlos dazu kommt.

Erst wenn man qualifizierten Traffic kaufen kann, und die Werbung so gut ist, dass sich diese profitabel finanziert, festigt sich das Fundament eines Unternehmens. Denn dann wird es planbar und skalierbar. Weil Sie aufgrund der Erfahrung dann wissen, dass Sie Summe X für Google AdWords ausgeben müssen, und dann ungefähr Summe Y an Umsatz daraus entsteht. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der eine meckert über zu hohe Klickpreise, denkt aber gar nicht darüber nach was er pro Neukunde ausgeben kann und muss. Der andere testet stetig die Werbung, und weiß wie viel er pro Neukunde an Werbung ausgeben darf. Und ist deswegen auch in der Lage stetig seine Google AdWords Ausgaben zu erhöhen, eben weil er profitable Werbung schaltet, und unprofitable Werbung eliminiert.

Dipl.-Wirtsch.-Ing.(FH)
Markus Trauernicht

 

31 Mai. 2012